„Talberg 1977“ von Max Korn (Rezension)

Im zweiten Teil der Talberg-Trilogie entführt uns der Autor ins Jahr 1977. Nachdem mir der erste Teil, der im Jahr 1935 spielt, ja bereits so super gefallen hatte, habe ich auch dieses Buch als Rezensionsexemplar bei Bloggerportal angefragt. Daher nochmals vielen Dank an Bloggerportal und den Heyne-Verlag für dieses tolle Rezi-Exemplar.

INHALT

Wie bereits erwähnt, befinden wir uns in diesem zweiten Teil wieder im abgelegenen, rückständigen und von der Welt vergessenen Dorf Talberg im Bayerischen Wald. Diesmal spielt die Geschichte im Jahr 1977. Auch in diesem Buch begegnen wir wieder einigen der altbekannten, eingesessenen Familien aus dem ersten Teil, diesmal allerdings deren Kindern und Kindeskindern (was in meinem Kopf durchaus für ein bisschen Chaos gesorgt hat, aber im positiven Sinne). Allerdings lernen wir auch ein paar neue Gesichter kennen.

Eines dieser neuen Gesichter ist auch die Protagonistin Maria Steiner. Sie gilt mit ihren 72 Jahren als alte, eigenbrötlerische Frau. Da sie wie eine Eremitin allein im Wald lebt, ist sie im Dorf als Hexe verschrien und wird von den Talbergern gemieden. Nur manchmal verirren sich höchstens der Postbote oder junge Frauen in verzweifelten Situationen auf ihre Lichtung, um Maria um Hilfe zu bitten. In der Geschichte spürt die naturverbundene und betagte Maria, dass der Tod schon seine Hände nach ihr ausstreckt. Aber sie kann noch nicht gehen. Denn als plötzlich eine Reihe unerwarteter Ereignisse über ihr hereinbrechen und sie Briefe ihrer verstorbenen Tante erhält, spürt Maria, das etwas sehr Düsteres geschehen wird…

MEINUNG

Ich darf es wieder vorausschicken: Auch der zweite Teil der Talberg-Trilogie hat mich gefesselt und begeistert. Allerdings reicht der zweite Teil nicht mehr ganz an den ersten heran (wobei ich heir auf großem Niveau meckere, versteht sich!).

Ich war vor der Lektüre unheimlich gespannt, wie es Max Korn gelingen wird, diesen archaisch-urwüchsigen, verstörenden und beklemmenden Aberglauben der Vergangenheit (der ja so typisch für Talberg ist) in die 70er Jahre zu transportieren. Hier war ich zumindest ein wenig enttäuscht. Denn obwohl der Auto zwar am Rande einige zeitgeschichtliche Ereignisse aus dem Jahr 1977 in Nebensätzen fallen lässt (wie z.B. den Tod Elvis Presleys, den Baader-Meinhof-Komplex oder die Regierungszeit von Franz-Josef Strauss), bedient er sich eines interessanten Kniffs, um nicht zu tief in die 70er eintauchen zu müssen: Er erzählt die Geschichte der Eremitin Maria, die abgelegen im Wald lebt. Dabei unterscheiden sich ihr höchst bescheidener Lebensstil in einer alten Hütte, ihr Wissen, ihr Weltbild und ihre Überzeugungen nur unwesentlich von dem, was für den ersten Teil aus den 30er Jahren typisch war. Wieder sind wir mit einem rückständigen und beklemmendem Aberglauben konfrontiert, den die „Hexe“ Maria von ihren Vorfahren gelernt hat und bis in die Gegenwart der Geschichte kultiviert. Das Lebensgefühl der 70er Jahre klingt nur am Rande an, hat mich aber als Leserin nie wirklich erreicht. Das fand ich auf der einen Seite schade. Auf der anderen liebe ich gerade die abergläubische Atmosphäre und das bedrückende Weltbild, das Talberg immer von bösen, mythologischen Mächten umfangen und bedroht zu sein scheint. Von daher konnte ich mit diesem Kniff des Autors relativ gut leben.

Wie auch im ersten Teil, besteht die Geschichte aus sehr vielen Rückblenden in die Vergangenheit, sodass sich die Geschichte wie ein Puzzle langsam zusammensetzt. Der Mystery-Faktor kam für meinen Geschmack erst etwas spät zum Tragen – das hätte ich gerne schon in der ersten Hälfte stärker verteten sehen wollen.

Aber auch, wenn die Mordermittlungen im Dorf erst relativ spät starten, heißt das nicht, dass dieser zweite Teil deshalb weniger spannend oder weniger angsteinflößend wäre. Im Gegenteil. Max Korn erschafft eine solch morbide, vor Anspannung flirrende Atmosphäre, die mich wieder begeistert hat. Man scheint die ganze Zeit ein omnipräsentes Unheil zuspüren, das bleischwer über den sagenumwobenen Wäldern lauert und nur darauf wartet, zuzuschlagen. Gewürzt wird das ganze mit einigen Mystery-Elementen, die einen verzaubern, vor Rätsel stellen und wahrhaft gruseln Einfach großartig!

Dazu lernt man als Leser etwas sehr Spannendes wie Verstörendes: In Talberg kannes keine guten Menschen geben, dies scheint ein Naturgesetz zu sein, gegen das niemand ankämpfen kann. Es liegt an diesem Ort. Jeder und jede scheint eine zutiefst düstere und verstörende Seite und Geheimnisse an sich zu haben, die sich irgendwann Bahn brechen. Und diese Erkenntnis hat mich (genau wie beim ersten Teil) auch hier mit voller Wucht getroffen. Was ich besonders an Max Korns Schreibstil liebe, ist zudem seine Subtilität. Während andere Thriller-Autoren gerne „mit dem Holzhammer“ bestimmte Fäden zusammenlaufen lassen und ihren Leser:innen um die Ohren hauen, geht Max Korn hier häufig viel leiser vor. Oftmals deutet er bestimmte Dinge (die auch krasse Wendungen bedeuten können) nur zwischen den Zeilen an und überlässt es dem Leser, seine Schlüsse zu ziehen. Das führte bei mir immer wieder zu dopamingeladenen „Oha!-Momenten“, für die ich diese Bücher einfach lieben muss!

Alles in allem kann ich sagen, dass mir der zweite Teil der Talberg-Reihe wieder extrem gut gefallen hat. Ich kann euch den zweiten Teil nur ans Herz legen, wenn ihr den ersten mochtet, ihr werdet sicher nicht enttäuscht. Und jetzt heißt es voller Spannung und Vorfreude auf Mai zu warten. Denn dann erscheint der dritte Teil, der im Jahr 2022 spielt. Ich kann es gar nicht erwarten!

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*Das Buch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.*

„Talberg 1935“ von Max Korn (Rezension)

Hallöchen ihr Lieben,

nach einigen stressigen Tagen auf der Arbeit melde ich mich mit einem absoluten Highlight bei euch zurück. Ich hatte bei Bloggerportal den Roman „Talberg 1935“ von Max Korn, erschienen bei Heyne, als Rezensionsexemplar angefragt. Daher an dieser Stelle nochmals vielen Dank dafür!

INHALT:

Wir schreiben das Jahr 1935 und befinden uns im tiefsten Bayern. Genauer gesagt sind wir in Talberg, einem abgeschiedenen und äußerst urwüchsigen Dorf in der Nähe der österreichischen Grenze. Die Auswirkungen von Hitlers Machtergreifung zwei Jahre zuvor sind sogar hier bereits zu spüren – allerdings sind die Nazis nicht die einzige Macht, die die Geschicke dieses Ortes zu bestimmen scheinen. Ist hier doch der allgegenwärtige und archaische Aberglaube, der Hang zum Mystischen und Beklemmenden immer noch überall zu spüren und lebendig. Die Geschichte beginnt, als der Dorflehrer Wilhelm Steiner unter mysteriösen Umständen von einem Aussichtsturm in den waldigen Bergen in den Tod gestoßen wird.

Schnell est der bayerische Gendarm Karl Leiner zur Stelle, um die Ermittlungen in diesem merkwürdigen Mordfall aufzunehmen. Sofort beginnt er, den Mord am Dorfschullehrer zu untersuchen – und stößt auf immer mehr verstörende Details und Zusammenhänge. Denn in Talberg hat jeder ein düsteres Geheimnis und nichts ist so, wie es zuerst erscheint…

MEINUNG:

Ich kann schonmal vorausschicken: Ich bin sowas von geflasht von diesem grandiosen Buch! Das für mich wahrscheinlich Großartigste an diesem Buch ist definitiv die Atmosphäre, die der Autor Max Korn zu erzeugen versteht. Er nimmt uns mit auf eine Zeitreise und katapultiert uns in eine Welt, von der ich zuvor nicht wusste, dass sie in dieser Form in Bayern im 20. Jahrhundert noch existierte. Denn es herrscht eine beklemmende, erdrückende Atmosphäre der Geheimniskrämerei, der kleingeistigen Angepasstheit und eine verstörende Sprachlosigkeit in diesem Dorf, die mir wirklich den Atem geraubt hat. Zudem ist in Talberg der Aberglaube an Hexen, Fabelwesen (wie zum Beispiel den „Trud“, der einem die Kehle zudrückt) und Flüche allgegenwärtig und eine Protagonistin bekommt dies besonders zu spüren. Dass dies so ein vorherrschendes Thema im ländlichen Bereich damals war, war mir so wirklich nicht klar und hat mich absolut fasziniert. Und wenn wir hier auch schon im traditionellen Bayern sind, kommt natürlich auch einiges Lokalkolorit in Sprache und Tradition nicht zur kurz, einfach großartig!

Zudem sehen wir die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Charaktere und können auf diese Weise einigen Protagonisten „in den Kopf schauen“. Das ist nicht nur interessant, emotional und hochspannend. Manchmal ist es auch einfach nur verstörend. Aber zu jedem Zeitpunkt hing ich gebannt an den Lippen des Autors und musste unbedingt wissen wie es weitergeht.

Zudem enthält dieses Buch ja auch ein Grundthema, bzw. eine Prämisse, wie ich sie bei Büchern liebe: Und zwar die Grundthematik eines Dorfes, in dem nichts so ist, wie es scheint und in dem lauter mysteriöse und düstere Geheimnisse darauf warten, vom Leser gelüftet zu werden. Daher hat „Talberg 1935“ hier bei mir voll ins Schwarze getroffen!

Was ich besonders am Schreibstil des Autors feiere, ist zum einen die Tatsache, dass man die Protagonisten irgendwie schnell sympathisch findet (zumindest einige davon) und unbedingt wissen MUSS, wie es mit ihnen weitergeht. Zum anderen schafft es Max Korn, dass man so manches Geheimnis nicht einfach plump serviert bekommt, sondern dass man vieles bis zum Schluss zwischen den Zeilen erahnen und für sich zusammensetzen muss. Da mutet er seinen Leser*innen durchaus zu, sich eigene Gedanken zu machen und da kommt dann durchaus der eine oder andere Schub an Dopamin im Gehirn der Leser*innen. Sowas liebe ich unheimlich!

Insgesamt kann ich nur sagen, dass „Talberg 1935“ eines meiner Jahrshighlights 2022 ist und ich definitiv die anderen Teile lesen werde. Ganz, ganz große Empfehlung an alle Thriller-Freunde da draußen!

„Talberg 1935“ von Max Korn, erschienen bei Heyne

Das Buch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

„Rachegeist“ von Cai Jun

Auf den folgenden Thriller bin ich auf Instagram gestoßen. Dort hatte der PIPER-Verlag einen Beitrag zu diesem Buch gepostet. Und da ich zum einen noch nichts von einem chinesischen Autor gelesen hatte und zum anderen das Cover ein absoluter Hingucker war (ja, ich weiß, don’t judge a book by its cover – aber das passiert den Besten, oder? ;-P), habe ich es mir in der lokalen Buchhandlung meines Vertrauens gekauft.

INHALT

In diesem Thriller befinden wir uns im Jahr 1995 in China. Der junge, aufstrebende Lehrer Shen Ming wird auf einem Fabrikgelände ermordet. Sein plötzlicher gewaltsamer Tod schlägt ein wie eine Bombe, denn erst einige Tage zuvor hatte man ihm vorgeworfen, eine Affäre mit einer seiner Schülerinnen gehabt zu haben und diese auf dem Dach des Gymnasiums umgebracht haben.

Die Mörder von Sheng Ming werden nie zur Rechenschaft gezogen – bis 10 Jahre nach Sheng Mings Tod dieser doch noch Vergeltung erfährt. Denn: Shen Mings Mörder schlittern zunächst allesamt langsam ins Unglück und schließlich muss doch noch einer nach dem anderen mit seinem Leben für den begangenen Mord an Shen Ming bezahlen.

Und schnell stellt sich die Frage, wem Shen Ming diese späte Rache an seinen Mördern zu verdanken hat. Ist seine Seele zu einem Rachegeist geworden, der keine Ruhe findet? Und was ist damals wirklich mit der Schülerin passiert, mit der Shen Ming eine Affäre gehabt haben soll? Wer war Shen Ming wirklich? Und was hat ein kleiner, außergewöhnlich kluger Junge mit all dem zu tun, der plötzlich mit der ganzen Geschichte verwoben zu sein scheint?

MEINE EINDRÜCKE BEIM LESEN

Besonders interessant an diesem Thriller fand ich, dass er vor der Kulisse des modernen Chinas spielt. Hier hatte ich gehofft, mehr darüber zu erfahren, wie die Gesellschaft dort funktioniert und wie sich ein Thriller anfühlt, der dort spielt. Dies kam in dem Buch auch sehr stimmungsvoll zur Geltung (nebst -zugegeben vorsichtig geäußerter- Kritik am politischen System, das fand ich besonders faszinierend). Das Setting im modernen China fand ich extrem cool und in meiner Leseerfahrung bisher auch absolut einzigartig. Besonders spannend waurde das ganze auch dadurch, dass der Thriller mit übernatürlichen Elementen spielt, die aber perfekt in dieses China zwischen Tradition und Moderne passen. Diese Mischung wird v.a. gegen Ende dann so richtig düster und mysteriös.

Das Mysterium, das Cai Jun in dieser Geschichte aufspannt, ist dabei komplex, verworren, böse, düster und mit einer traditionellen Übernatürlichkeit, die wiegesagt in den Alltag des modernen Chinas eingebettet ist. Die Geschichte ist dabei sehr klug aufgebaut, sodass man als Leser aus mehr oder weniger unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Charaktere dann Stück für Stück die Geschichte aufdeckt und so immer mehr Facetten entdeckt.

Besonders toll und stimmungsvoll: Cai Jun streut immer wieder chinesische Gedichte in die Geschichte, sodass man beim Lesen auch noch etwas chinesische Poesie dazubekommt, die auch die Atmosphäre und das dramaturgische Moment super unterstützen. So hat auch ein Gedicht am Ende für mich das Ende nochmals viel emotionaler gemacht. Das hat mir sehr gut gefallen!

WAS ICH SCHWIERIG FAND

Die Namen der Charaktere klangen für meine „ignoranten“ europäischen Ohren leider alle recht ähnlich, sodass ich mich schwer damit getan habe (zumindest anfangs) die Figuren auseinanderzuhalten. Zum Glück hat der Piper-Verlag in weiser Voraussicht ein Personenverzeichnis mitgeliefert, sodass man hier immer wieder nachschauen kann, sobald man unsicher ist.

Zudem war das Buch stellenweise etwas langatmig (da hätte ich mir wesentlich mehr Tempo gewünscht) und sprachlich fand ich das Buch zumindest teilweise manchmal etwas schmucklos und etwas einfallslos, weil der Autor gerne bestimmte Wendungen immer wieder verwendet (Mein Lieblingsbeispiel: Seine / Ihre Hand war so kalt wie die eines/r Toten). Solche Wendungen mag Cai Jun scheinbar sehr gerne und wiederholt sie während des Buches genauso immer wieder (ohne, dass hier eine Absicht dahinter zu erkennen wäre, im Sinne eines sich durchziehenden Motivs oder dergleichen).

Und gegen Ende gab es dann auch noch einen (zusätzlichen) Handlungsstrang, den ich irgendwie sehr plötzlich noch in die Geshcichte gestreut fand und der mich irgendwie zusätzlich mehr verwirrt hat, als dass er für mich zur Spannung beigetragen hat

MEINE MEINUNG INSGESAMT

Alles in allem: „Rachegeist“ ist ein Thriller, der vor allem durch sein Setting in China und die interessante Mischung aus fernöstlicher, traditioneller Mystik und Moderne in China besticht und diese Atmosphäre super transportiert. Im Großen und Ganzen eine echt spannende, geheimnisvolle und verworrene Geschichte, die allerdings mit einigen Längen daherkommt.

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LESEMONAT SEPTEMBER 2020

Hallöchen ihr Lieben, wie schön, dass ihr wieder da seid! Heute möchte ich euch meinen Lesemonat September vorstellen, in dem ich vier Bücher geschafft habe:

  • „LYING GAME 1 – Und raus bist du“ von Sara Shepard
  • „LYING GAME 2 – Weg bist du noch lange nicht“ von Sara Shepard
  • „LYING GAME 3 – Mein Herz ist rein“ von Sara Shepard
  • „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek

„LYING GAME Teile 1 bis 3“ von Sara Shepard

Da ich ja ein riesen Fan von Sara Shepard und ihren Büchern bin, musste unbedingt die „LYING GAME“-Reihe bei mir einziehen. Insgesamt besteht die Reihe aus sechs Bänden, von denen ich im September gleich mal die ersten drei direkt hintereinander weggelesen habe.

Covers LYING GAME-Reihe Teile 1 bis 3

INHALT

Emma Paxton, die kurz vor ihrem 18. Geburtstag steht, hat fast ihre gesamte Kindheit als Pflegekind in den unterschiedlichsten Familien verbracht. Ihre Mutter Becky war aufgrund psychischer Probleme nicht mehr in der Lage, sich um Emma zu kümmern und hat sie als kleines Mädchen bei einem Supermarkt zurückgelassen. Emma fühlt sich bis in die Gegenwart unfassbar alleine und entwurzelt. Leider hat sie nie die Erfahrung eines geborgenen, stabilen und liebevollen Familienlebens machen können – ein Bedürfnis, das bis heute wie eine Wunde in ihr brennt.

Durch ihren Pflegebruder erfährt Emma von einem ziemlich schockierenden Video im Internet, in dem es scheint, als würde ein junges Mädchen vor laufender Kamera erwürgt. Und als wäre dies allein nicht schon krass genug, gibt es noch eine große Besonderheit an diesem merkwürdigen Video: Das Mädchen, das vor laufender Kamera getötet zu werden scheint, sieht aus wie Emma!

Emma kommt schließlich auf eine unfassbare Idee: Könnte es womöglich sein, dass sie eine Zwillingsschwester hat, von der sie nie etwas geahnt hat? Wurde diese direkt nach der Geburt von ihr getrennt? Und falls ja: Was hat es dann mit diesem schrägen Video auf sich? War das vielleicht nur ein makabrer Scherz? Emma startet eine Recherche auf Facebook und es soll nicht lange dauern, bis sie schließlich wirklich auf das Facebookprofil von Sutton Mercer stößt, Emmas Zwillingsschwester, die bei einer reichen und liebevollen Familie in einer Kleinstadt in Phoenix lebt. Emma nimmt sofort Kontakt zu ihrer Schwester auf. Sutton reagiert begeistert auf Emmas Nachricht und lädt sie zu sich nach Phoenix ein: Schließlich muss dieses unverhoffte und unerwartete Wiedersehen der beiden Schwestern gefeiert werden. Könnte dies also der Beginn des Familienlebens sein, das sich Emma immer so sehr gewünscht hat?

Emma setzt sich in den Bus und ist kurz darauf in der Heimatstadt von Sutton angekommen. Doch Sutton erscheint nicht am ausgemachten Treffpunkt. Stattdessen erhält Emma eine zutiefst verstörende und beunruhigende Nachricht: Sutton sei tot und Emma müsse nun Suttons Rolle übernehmen, wenn sie nicht ebenfalls sterben wolle. Nun bleibt Emma keine andere Wahl, als Suttons Leben zu übernehmen, denn niemand glaubt ihr, als sie erste Versuche unternimmt, ihre Situation zu erklären. Und nun gibt es genau zwei Personen, die wissen, dass Sutton nicht mehr lebt und von ihrer Schwester „gespielt“ wird: Emma und Suttons Mörder.

Emma macht sich daraufhin daran, selbstständig zu ermitteln, wer ihre Schwester getötet hat. Bald merkt sie, dass Sutton zwar zu den beliebtesten, aber auch zu den gefürchtetesten Mädchen der Highschool gehört hat und somit gibt es viele, die ein Motiv hätten, Sutton zu töten…

AUFBAU DES BUCHES UND MEINE MEINUNG

Gleich zu Beginn des Buches wartet die Geschichte im Hinblick auf die Erzählperspektive mit einer Überraschung auf. Denn: Zusätzlich zu Emmas Erzählperspektive, bei der es sich um einen auktorialen Erzähler in der dritten Person Singular handelt, kommt eine weitere Erzählperspektive als Ich-Erzähler dazu. Auch, wenn ich hierzu nicht mehr sagen möchte, um euch nicht zu spoilern, muss ich sagen, dass ich diesen Kniff in der Erzählweise superspannend und gelungen fand! Beide Perspektiven ergänzen sich großartig miteinander und ermöglichen uns als Leser manchmal Einblicke in die Zusammenhänge der Geschichte, die die Protagonistin Emma erstmal nicht haben kann.

Mir hat es unheimlich gut gefallen, wie ich als Leserin gemeinsam mit Emma immer mehr in Suttons Leben eintauchen und Stück für Stück mehr über sie und ihr Umfeld erfahren konnte. Dass das ganze selbstverständlich nicht sonderlich realistisch ist, ist denke ich klar (sowas stört mich bei Sara Shepard aber zugegebenermaßen auch nicht sonderlich). Wie in allen Büchern von Sara Shepard spielt auch die LYING GAME-Reihe wieder in recht elitären, wohlhabenden Kreisen der amerikanischen Oberschicht, in denen die Charaktere ziemlich luxuriöse Leben führen (ein Aspekt, der mit Emmas Erfahrungen kollidiert, die in ihrem bisherigen Leben unter ärmlichen Bedingungen von Pflegefamilie zu Pflegefamilie gegeben wurde – ein Teil der Geschichte, den ich sehr spannend zu beobachten fand).

Und wie immer wartet Sara Shepard wieder mit so mancher Wendung und so manchem Geheimnis auf, eigentlich so, wie es typisch für ihre Romane ist.

Was man der LYING GAME-Reihe allerdings anmerkt, ist die Tatsache, dass diese auf insgesamt sechs Bände ausgelegt ist und auch dementsprechend geplant und geschrieben wurde. Will heißen: Im Gegensatz zu anderen Büchern und Reihen von Sara Shepard ist das Erzähltempo dieser Bücher doch eher als gemächlich und langsam zu bezeichnen. Alles in allem lässt sich Sara Shepard in der LYING GAME-Reihe viel mehr Zeit, ihre Handlung voranzutreiben. Das sonst so atemlose Erzähltempo mit zahlreichen Wendungen und Ereignissen, die sich ständig zu überschlagen scheinen, sucht man hier doch eher vergeblich. Das fand ich persönlich zwar verständlich, aber auch zugegebenermaßen etwas schade, da ich Sara Shepard für ihr großes Talent, den Leser vom einen spannungsgeladenen Wendepunkt zum nächsten zu schicken, sehr schätze. Dies hat mir hier gefehlt.

Alles in allem muss ich sagen, dass ich die LYING GAME-Reihe sehr gern gelesen habe. Sowohl der Grundgedanke der Geschichte, als auch der Aufbau, die Charaktere und die Geheimnisse, die die Figuren miteinander verbinden, fand ich in den ersten drei Bänden sehr gelungen. Ich habe mich einfach sehr gerne in der Welt dieser Bücher aufgehalten und fand die Unterschiedlichkeit zwischen Emma und Sutton als Persönlichkeiten zwar nicht realistisch, aber dennoch sehr unterhaltsam zu lesen. Auch, wenn ich die Reihe definitiv fertiglesen werde (Band 4 befindet sich bereits auf meinem Kindle), muss ich aber dennoch anmerken, dass mir aufgrund des gemächlicheren Erzählstils und des zurückgenommenen Tempos (das auch mal für einige Längen sorgen kann, was ich sonst von Sara Shepard nicht kenne), das eigentlich sonst typische Page-Turner-Gefühl leider fehlt.

Wenn ihr gerne Young-Adult-Romane lest, die in Richtung von Pretty Little Liars gehen und Aspekte wie Crime und Mystery mit leicht verdaulichen Teenager-Geschichten verbinden, dann könnte euch die LYING GAME-Reihe wirklich gefallen!

Die Bücher sind bei cbt erschienen und haben jeweils um die 320 Seiten.

„Passagier 23“ von Sebastian Fitzek

Cover „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek

Es mag unglaublich erscheinen, aber das hier war tatsächlich mein „erster Fitzek“. Auch, wenn gefühlt JEDER schonmal was von Sebastian Fitzek gelesen hat, hatte ich hier bisher noch eine große Bildungslücke. Ich hab schon so viel von ihm gehört, von begeisterten Fans, die stundenlang für ein Autogramm von ihm anstehen und von Kritikern, die seine Bücher nichtmal mit der Kneifzange anfassen würden. Alles in allem scheint Sebastian Fitzek für seine Fans aber ein absoluter Knaller zu sein und sein Erfolg, der ihn schon lange als absoluten Bestseller-Garant auszeichnet, scheint ihm recht zu geben. Ich war jedenfalls unheimlich neugierig, wie ich die Bücher von Sebastian Fitzek finden würde und habe mich nach einiger Recherche für „Passagier 23“ entschieden, da mich der Gedanke sehr fasziniert, dass dieser Psychothriller auf so begrenztem Raum spielt.

INHALT

Der Polizeipsychologe Dr. Martin Schwartz ist seit fünf Jahren ein komplettes psychisches Wrack. Denn vor fünf Jahren verlor er seine Frau Nadja und seinen Sohn Timmy, als die beiden einen extrem rätselhaften Tod an Bord des Luxuskreuzfahrtschiffs „Sultan of the Seas“ starben. Martin weiß bis heute nicht genau, was damals wirklich geschehen ist, da er zu diesem Zeitpunkt in einem Undercover-Einsatz der Polizei unterwegs war und seine Familie nicht auf Kreuzfahrt begleiten konnte. Wie es scheint, hat seine Frau Nadja an Bord des Luxusschiffs sogenannten erweiterten Suizid begangen – hat also nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem kleinen Sohn Timmy das Leben genommen, in dem beide absichtlich über Bord gingen – so lautet zumindest die offizielle Erklärung der Reederei, der Martin bis heute nicht glauben kann.

Seit dem Tod seiner Frau und seines Sohnes sieht Martin keinen Sinn in seiner Existenz mehr. Er geistert von einem hochriskanten Spezialpolizeieinsatz zum nächsten und scheint sich aufgegeben zu haben…

…Bis er eines Tages einen rätselhaften Anruf einer älteren Dame erhält, die ihm erzählt, sie sei Thriller-Autorin und habe neue Hinweise zu Timmys Verschwinden an Bord der Sultan of the Seas. Sie fordert Martin auf, sich schnellstmöglich an Bord der Sultan of the Seas zu begeben, da sich dort etwas Unglaubliches ereignet hat: Die vierzehnjährige Anouk ist gemeinsam mit ihrer Mutter vor einigen Wochen ebenfalls von Bord des Kreuzfahrtschiffs verschwunden – doch nun ist sie überraschend wieder aufgetaucht. Und bei ihrer Rückkehr hat sie den Teddy von Martins Sohn Timmy bei sich…

Martin Schwartz muss seinem schlimmsten Alptraum ins Auge sehen und begibt sich an Bord des Luxuskreuzfahrtschiffs und versucht herauszufinden, was damals wirklich mit seiner Frau und seinem Sohn geschehen ist.

MEINE MEINUNG

Ich muss sagen, dass ich echt viel Spaß beim Lesen von „Passagier 23“ hatte. Auch, wenn ich den Prolog (der irgendwie erst ganz zum Schluss im Epilog wieder aufgegriffen wird) zunächst eher ziemlich abstoßend fand, da ich das Gefühl hatte, dass es hier eher um Effekthascherei mit einer besonders brutalen, blutigen und gestörten Szene ging, habe ich doch dann schließlich sehr gut ins Buch reingefunden.

Obwohl ich den Protagonisten Martin Schwartz grundsätzlich echt gerne durch das Buch begleitet habe und mich immer dafür interessiert habe, wie es mit ihm und seinem Aufenthalt auf der „Sultan of the Seas“ weitergeht, muss ich aber hier einen Kritikpunkt anbringen:

Es schien mir, als seien so ziemlich alle Charaktere dieses Buches so hoffnungslos überzeichnet, dass sie mir teilweise fast wie Karikaturen oder totale Stereotype vorkamen. Grundsätzlich scheint Sebastian Fitzek etwas zur Übertreibung zu neigen, sodass ich mich öfters fragte: „Eine Nummer kleiner hattest du es nicht?“ – Da reicht es beispielsweise nicht, dass die verschwundene und wieder aufgetauchte Anouk ein ziemlich intelligentes Mädchen ist – nein, sie ist sogar höchstbegabt und beherrscht mehrere Sprachen und gilt als absolutes Genie. Und der Protagonist Martin Schwartz ist nicht einfach nur psychisch extremst belastet – er spritzt sich selber sogar HIV-Antikörper, zieht sich selbst einen Schneidezahn mit einer Zange, die er mal eben aus der Tasche zieht und lässt sich eine Tätowierung stechen – nur, um für einen Undercover-Einsatz optimal vorbereitet und unter den heimlich überwachten Kriminellen glaubwürdig zu sein. Das ist zwar eine extrem „aufopfernde“ und lebensmüde anmutende Verhaltensweise – ich fand es nur etwas „über’s Ziel hinaus“ und sehr übertrieben.

Generell hat man wahrscheinlich mehr von einem Fitzek-Thriller, wenn man seinen Drang zu hinterfragen, wie realistisch das ganze überhaupt sein kann, am Anfang des Buches abgibt. Ich bin der Meinung, dass man dieses Buch nicht sonderlich mögen wird, wenn man sich die ganze Zeit überlegt, wie und ob so etwas in Realität überhaupt funktionieren würde. Ich denke, dass man sich mit der Prämisse, dass Sebastian Fitzek die Realität bis ins Extreme dehnt, anfreunden können muss, um seinen Thriller „Passagier 23“ genießen zu können. Ich bin irgendwann recht gut damit klargekommen, dass man das ganze in seiner realitätsnahen Machbarkeit einfach nicht hinterfragen darf – und genau an dieser Stelle wartet dann der Lesespaß auf einen!

Ich muss wirklich sagen, dass mich dieser Psychothriller wirklich super unterhalten hat. Das ganze mag natürlich keine große, bedeutsame Literatur sein, aber das behauptet ja auch niemand. Hier handelt es sich um typische Unterhaltung für zwischendurch. Und dementsprechend sollte wahrscheinlich auch die eigene Erwartungshaltung sein. Die Geschichte fand ich spannend und interessant und tatsächlich auch nicht zu vorhersehbar, sodass ich das ein oder andere Mal auch echt überrascht war von dem, was Sebastian Fitzek alles an Wendungen aus dem Hut zaubert. So endet fast jedes Kapitel mit einem Cliffhanger, der ganz automatisch dafür sorgt, dass man unbedingt weiterlesen und erfahren möchte, wie es weitergeht. Manche Menschen (vor allem Fitzeks Kritiker) empfinden diese Cliffhanger-Technik am Ende eines jeden Kapitels vielleicht als billigen Taschenspielertrick – ich muss aber sagen, dass ich persönlich solche Cliffhanger ganz cool finde. Für mich persönlich wurde die Spannung so gesteigert und aufrechterhalten, genauso wie mein Lesespaß. Ob man sowas mag, oder nicht, ist denke ich total individuell und jede Sichtweise ist hier absolut legitim. Ich mochte Sebastian Fitzeks Art zu plotten und seine Geschichte aufzubauen wirklich gerne.

Die Auflösung am Ende fand ich recht gelungen (wobei ich im Hinblick auf den Epilog bis jetzt noch etwas gespalten bin), wenn ich auch den Teil, der dann in der dominikanischen Republik spielt (und der noch einige Erklärungen liefert), teilweise nicht mehr ganz logisch fand. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch am Ende sehr zufrieden und sehr gut unterhalten beendet.

Wenn ihr gerne Psychothriller lest und euch das Setting eines Luxuskreuzfahrtschiffs interessiert, wo gekonnt mit der luxuriösen Urlaubsatmosphäre und einer tödlich-krankhaften-klaustrophobischen Stimmung auf der anderen Seite gespielt wird und ihr über recht unnatürliche Charaktere hinwegsehen könnt, dann kann ich euch „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek echt empfehlen.

Ich werde -wenn auch nach einer Pause- bestimmt noch weitere Bücher von Sebastian Fitzek lesen, wenn ich auf einen Klappentext stoße, der mich interessiert.

Das Buch ist bei Knaur erschienen und hat 432 Seiten.

Das war’s auch schon mit meinem Lesemonat für den September. Habt ihr schon was von den genannten Büchern gelesen? Oder stehen diese vielleicht auf euren Wunschlisten? Wenn ja, was denkt ihr denn über die Bücher? Ich freue mich sehr über den Austausch in den Kommentaren mit euch!

Ansonsten freue ich mich auch wie verrückt, wenn ihr auf meinem Podcast „Seitengeraschel“ vorbeischaut und reinhört. Ihr findet diesen auf Spotify, iTunes, Podimo oder auch sonst überall, wo es Podcasts gibt!

Bis bald und alles Liebe,

Christina 🙂

Werbung wegen Markennennung. Ich habe alle Bücher von meinem eigenen Geld bezahlt und erhalte für die Rezensionen keinerlei Vergütung.