„Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte“ von TJ Klune

Auch dieses Buch gehört definitiv zu jenen, die im englischsprachigen Booktube und Bookstagram einen wirklich beachtlichen Hype erfahren haben. Daher war ich selbstverständlich neugierig und habe es als Urlaubslektüre mit an den Strand genommen. Was ich beim Lesen so erlebt habe, erfahrt ihr hier:

INHALT

Linus Baker, ein übergewichtiger, vierzigjähriger Beamter, der bei der Behörde zur Betreuung Magischer Minderjähriger arbeitet, erhält eines ziemlich grauen und regnerischen Tages einen Spezialauftrag vom Allerhöchsten Management seiner Behörde.

Er soll das Waisenhaus eines gewissen Arthur Parnassus überprüfen, in dem fünf magisch begabte Waisenkinder leben. Linus kann es kaum fassen, dass ausgerecht ER einen solchen streng geheimen Spezialauftrag erhält – doch es bleibt ihm nichts anderes übrig und daher macht er sich auf den Weg zu diesem besonderen Waisenhaus, das sehr abgelegen auf einer kleinen Insel mitten im himmelblauen Ozean liegt.

Nach Linus‘ Ankunft in Mr. Parnassus‘ Waisenhaus merkt er allerdings sehr schnell, dass die kommenden vier Wochen, die sein Aufenthalt dort dauern wird, ganz anders verlaufen werden, als er je gedacht hätte. Denn mit all den Regeln und Verordnungen, nach denen Linus brav sein ganzes Leben ausgerichtet hat, kommt er hier nicht voran: Denn: Die magischen Kinder im Waisenhaus und der Leiter des Waisenhauses, Mr. Parnassus werden Linus‘ Leben ab sofort in ein farbenfrohes Abenteuer verwandeln, und bald soll Linus erkennen, dass sein Leben komplett auf dem Kopf steht.

MEINE MEINUNG UND EINDRÜCKE

Stellt euch vor, ihr nehmt eure schönsten Erinnerungen an das Meer, ganz viel Sonnenschein und alle strahlenden Farben des Regenbogens, fügt noch ganz viel warmherzigen Humor und einen tollen Erzählstil hinzu – dann kommt irgendwo dieses Buch dabei raus.

Man schließt Linus Baker, aber auch die Kinder und den Leiter des Waisenhauses, Mr. Parnassus SOFORT ins Herz! Dabei gelingt es dem Autor, TJ Klune, es auf unvergleichliche Weise, lauter sehr einzigartige, zutiefst liebenswerte und wirklich glaubwürdige Charaktere zu erschaffen, die man einfach lieben muss. Und auch die Magie verleiht dieser Geschichte das gewisse Etwas. Und: diese sommerlich-leichte Atmosphäre ist einfach wunderschön und man kann gar nicht anders, als beim Lesen immer wieder zu lächeln und sich superwohl zu fühlen. Man spürt förmlich die Sommersonne auf der Haut, während man auf der Insel die bunten und magischen Gärten erkundet und man spürt förmlich den Sand zwischen den Zehen, während man in Gedanken auf den himmelblauen Ozean hinausblickt und sich den sanften Sommerwind um die Nase wehen lässt.

Und zusätzlich zu diesen unfassbar schönen und gelungenen Beschreibung einer Welt voller Wärme und Farben kommen dann noch diese unglaublich liebenswerten Charaktere und eine niedliche Geschichte, die aber trotz aller Leichtigkeit auch wahnsinnig viel Tiefgang und auch viel Philosophisches mit sich bringt. Denn das Buch stellt viele Fragen, zum Beispiel danach, was uns zu den Personen werden lässt, die wir sind. Und wie wir unser Leben selbst in die Hand nehmen können und es selbst gestalten können. Aber auch gesellschaftlich sehr relevante Themen spielen in diesem Buch eine Rolle, wie zum Beispiel Diskriminierung, gesellschaftlicher Ausschluss von Minderheiten, Ungerechtigkeit und das Streben nach mehr Offenheit füreinander und Begegnung miteinander.

Ihr merkt also, in diesem Buch ist wahnsinnig viel drin und ich finde, die Pressestimmen zu diesem Buch haben absolut recht. Ich zitiere Terry Brooks mit der Aussage: „Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte erweckt im Leser den Glauben an das Gute im Menschen.“ Und das kann ich 1:1 so unterschreiben. Wenn ihr ein Buch sucht, dass ihr auch in Zeiten, in denen ihr vielleicht Aufmunterung oder das Gefühl von Geborgenheit und eine Prise Sommersonnenschein braucht – dann könnte ich euch kein Buch mehr ans Herz legen, als dieses.

„Rachegeist“ von Cai Jun

Auf den folgenden Thriller bin ich auf Instagram gestoßen. Dort hatte der PIPER-Verlag einen Beitrag zu diesem Buch gepostet. Und da ich zum einen noch nichts von einem chinesischen Autor gelesen hatte und zum anderen das Cover ein absoluter Hingucker war (ja, ich weiß, don’t judge a book by its cover – aber das passiert den Besten, oder? ;-P), habe ich es mir in der lokalen Buchhandlung meines Vertrauens gekauft.

INHALT

In diesem Thriller befinden wir uns im Jahr 1995 in China. Der junge, aufstrebende Lehrer Shen Ming wird auf einem Fabrikgelände ermordet. Sein plötzlicher gewaltsamer Tod schlägt ein wie eine Bombe, denn erst einige Tage zuvor hatte man ihm vorgeworfen, eine Affäre mit einer seiner Schülerinnen gehabt zu haben und diese auf dem Dach des Gymnasiums umgebracht haben.

Die Mörder von Sheng Ming werden nie zur Rechenschaft gezogen – bis 10 Jahre nach Sheng Mings Tod dieser doch noch Vergeltung erfährt. Denn: Shen Mings Mörder schlittern zunächst allesamt langsam ins Unglück und schließlich muss doch noch einer nach dem anderen mit seinem Leben für den begangenen Mord an Shen Ming bezahlen.

Und schnell stellt sich die Frage, wem Shen Ming diese späte Rache an seinen Mördern zu verdanken hat. Ist seine Seele zu einem Rachegeist geworden, der keine Ruhe findet? Und was ist damals wirklich mit der Schülerin passiert, mit der Shen Ming eine Affäre gehabt haben soll? Wer war Shen Ming wirklich? Und was hat ein kleiner, außergewöhnlich kluger Junge mit all dem zu tun, der plötzlich mit der ganzen Geschichte verwoben zu sein scheint?

MEINE EINDRÜCKE BEIM LESEN

Besonders interessant an diesem Thriller fand ich, dass er vor der Kulisse des modernen Chinas spielt. Hier hatte ich gehofft, mehr darüber zu erfahren, wie die Gesellschaft dort funktioniert und wie sich ein Thriller anfühlt, der dort spielt. Dies kam in dem Buch auch sehr stimmungsvoll zur Geltung (nebst -zugegeben vorsichtig geäußerter- Kritik am politischen System, das fand ich besonders faszinierend). Das Setting im modernen China fand ich extrem cool und in meiner Leseerfahrung bisher auch absolut einzigartig. Besonders spannend waurde das ganze auch dadurch, dass der Thriller mit übernatürlichen Elementen spielt, die aber perfekt in dieses China zwischen Tradition und Moderne passen. Diese Mischung wird v.a. gegen Ende dann so richtig düster und mysteriös.

Das Mysterium, das Cai Jun in dieser Geschichte aufspannt, ist dabei komplex, verworren, böse, düster und mit einer traditionellen Übernatürlichkeit, die wiegesagt in den Alltag des modernen Chinas eingebettet ist. Die Geschichte ist dabei sehr klug aufgebaut, sodass man als Leser aus mehr oder weniger unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Charaktere dann Stück für Stück die Geschichte aufdeckt und so immer mehr Facetten entdeckt.

Besonders toll und stimmungsvoll: Cai Jun streut immer wieder chinesische Gedichte in die Geschichte, sodass man beim Lesen auch noch etwas chinesische Poesie dazubekommt, die auch die Atmosphäre und das dramaturgische Moment super unterstützen. So hat auch ein Gedicht am Ende für mich das Ende nochmals viel emotionaler gemacht. Das hat mir sehr gut gefallen!

WAS ICH SCHWIERIG FAND

Die Namen der Charaktere klangen für meine „ignoranten“ europäischen Ohren leider alle recht ähnlich, sodass ich mich schwer damit getan habe (zumindest anfangs) die Figuren auseinanderzuhalten. Zum Glück hat der Piper-Verlag in weiser Voraussicht ein Personenverzeichnis mitgeliefert, sodass man hier immer wieder nachschauen kann, sobald man unsicher ist.

Zudem war das Buch stellenweise etwas langatmig (da hätte ich mir wesentlich mehr Tempo gewünscht) und sprachlich fand ich das Buch zumindest teilweise manchmal etwas schmucklos und etwas einfallslos, weil der Autor gerne bestimmte Wendungen immer wieder verwendet (Mein Lieblingsbeispiel: Seine / Ihre Hand war so kalt wie die eines/r Toten). Solche Wendungen mag Cai Jun scheinbar sehr gerne und wiederholt sie während des Buches genauso immer wieder (ohne, dass hier eine Absicht dahinter zu erkennen wäre, im Sinne eines sich durchziehenden Motivs oder dergleichen).

Und gegen Ende gab es dann auch noch einen (zusätzlichen) Handlungsstrang, den ich irgendwie sehr plötzlich noch in die Geshcichte gestreut fand und der mich irgendwie zusätzlich mehr verwirrt hat, als dass er für mich zur Spannung beigetragen hat

MEINE MEINUNG INSGESAMT

Alles in allem: „Rachegeist“ ist ein Thriller, der vor allem durch sein Setting in China und die interessante Mischung aus fernöstlicher, traditioneller Mystik und Moderne in China besticht und diese Atmosphäre super transportiert. Im Großen und Ganzen eine echt spannende, geheimnisvolle und verworrene Geschichte, die allerdings mit einigen Längen daherkommt.

~Werbung wegen Markennennung~