Talberg 2022 von Max Korn (Rezension)

Heute melde ich mich mit einer weiteren Rezension zurück. Wie ihr unschwer am Titel erkennen könnt, habe ich den dritten Teil der Talberg-Trilogie „Talberg 2022“ von Max Korn gelesen. Das Buch wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar über Bloggerportal vom Heyne-Verlag zur Verfügung gestellt. Dafür an dieser Stelle nochmals vielen Dank!

INHALT

Im dritten und letzten Teil dieser Trilogie entführt uns Max Korn wieder in die niederbayrische Provinz. Genauer gesagt begeben wir uns wieder in das abgelegene und geheimnisvolle Talberg. Diesmal befinden wir uns im Jahr 2022, wie der Titel ja auch schon nahelegt.

Die Geschichte beginnt, als ein schwerer Orkan über Talberg hinwegfegt – Bäume werden entwurzelt, Häuser werden zerstört, die Straßen werden überschwemmt. Bald ist Talberg komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Weder Strom noch Internet sind funktionstüchtig, die Straßen sind in alle Richtungen unpassierbar. In diesem Chaos entdeckt der Talberger Polizist Adam Wegebauer die verscharrten Knochen eines Kindes, die der Sturm nunmehr freigelegt hat. Sein Fund löst sofort ein Gefühl tiefster Beklemmung in ihm aus. Und er stellt sich die Frage: Wer war dieses Kind, das hier umgebracht und anschließend verscharrt wurde? Könnte es sich dabei um Alfred Hirscher handeln, der im Jahr 1933 als Zehnjähriger plötzlich verschwand? Oder sind die Knochen womöglich neueren Datums und der Täter weilt noch immer in Talberg? Adam Wegebauer ermittelt und taucht tief in die düstersten Abgründe seiner und Talbergs Vergangenheit ein. Dabei stößt er auf ein zutiefst verstörendes und verworrenes Rätsel, das ihn an seinem Verstand zweifeln lassen wird…

MEIN EINDRUCK

Nach den ersten beiden Teilen war ich unglaublich auf den finalen Teil der Talberg-Trilogie gespannt. Noch dazu habe ich mich gefragt, wie Max Korn wohl mit der Moderne im düsteren und rückständigen Talberg umgehen würde. Schon im zweiten Teil hatte ich das Gefühl, als hätte sich der Autor ein wenig um den Fortschritt der Moderne „herumgedrückt“, als er den zweiten Teil aus der Sicht einer Einsiedlerin erzählt hat, die lebt wie im 19. Jahrhundert. Und auch in diesem Teil hält die Moderne wieder keinen Einzug in Talberg: Ein Orkan schneidet das Dorf von jeglicher modernen Technik ab. Allerdings habe ich dadurch erkannt, dass sich der Autor absolut nicht um die Moderne „drückt“ – vielmehr scheint dies einfach das Schicksal dieses Dorfes zu sein. Die Moderne, der Fortschritt, die Aufklärung hat in diesem Ort der Düsternis und des Bösen einfach keine Chance. Vor dem Bösen, das Talberg innezuwohnen scheint und den alles beherrschenden Naturgewalten, gibt es einfach kein Entkommen.

Obwohl ich dieses Mal wirklich eine Weile gebraucht habe, um in die Geschichte reinzukommen, hat das Buch v.a. in der zweiten Hälfte extrem angezogen und ein hochspannendes, düsteres und extrem bedrückendes Finale für diese Trilogie hervorgebracht.

Natürlich sind alle Bücher aus der Trilogie düster und beklemmend sowie zeitweise brutal. Allerdings hat der dritte Teil für mein Empfinden nochmal eine Schippe draufgelegt. Mehrfach musste ich das Buch zuklappen und wegen des Gelesenen erstmal tief durchatmen. Teilweise war das wirklich keine leichte Kost – insbesondere in puncto Gewalt gegen Frauen und Kinder.

Nichtsdestotrotz war ich wieder vollkommen im „Talberg-Feeling“ drin – diese kalte Düsternis und dieses unterschwellige Böse, das jede Seite durchtränkt und sich wie der Talberger Nebel durch die Geschichte zieht, ist einfach unvergleichlich und für diese Reihe absolut einzigartig. Dabei greifen die Zusammenhänge der sich entwickelnden Rätsel messerscharf in einander und die Geschichten und Schicksale fügen sich genau in die Trilogie ein. Sowohl vom Gefühl beim Lesen als auch inhaltlich fühlt sich beim Lesen alles stimmig einfach nach „Talberg“ an, großartig!

Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass insbesondere Psychothriller-Fans bei diesem dritten Teil besonders auf ihre Kosten kommen werden. Das Ende fand ich unheimlich gelungen, da es diese dreiteilige Geschichte mit all ihren Verwebungen, großen Mysterien und Schicksalen wirklich großartig abgerundet und mich als Leserin trotz der heftigen Inhalte mit einem positiven Gefühl zurückgelassen hat.

Insgesamt ist die Talberg-Reihe für mich wirklich ein riesiges Jahreshighlight, das mein Bücherregal sicher nie verlassen wird. Ganz große Empfehlung von meiner Seite!

Irgendwie hoffe ich ja auch, dass Max Korn irgendwann noch einen vierten Teil schreiben wird – vielleicht geht er ja da dann nochmal weit zurück in der Vergangenheit und nimmt uns mal mit ins 19. Jahrhudnert, oder so? Ich würde mich freuen!

„Talberg 1935“ von Max Korn (Rezension)

Hallöchen ihr Lieben,

nach einigen stressigen Tagen auf der Arbeit melde ich mich mit einem absoluten Highlight bei euch zurück. Ich hatte bei Bloggerportal den Roman „Talberg 1935“ von Max Korn, erschienen bei Heyne, als Rezensionsexemplar angefragt. Daher an dieser Stelle nochmals vielen Dank dafür!

INHALT:

Wir schreiben das Jahr 1935 und befinden uns im tiefsten Bayern. Genauer gesagt sind wir in Talberg, einem abgeschiedenen und äußerst urwüchsigen Dorf in der Nähe der österreichischen Grenze. Die Auswirkungen von Hitlers Machtergreifung zwei Jahre zuvor sind sogar hier bereits zu spüren – allerdings sind die Nazis nicht die einzige Macht, die die Geschicke dieses Ortes zu bestimmen scheinen. Ist hier doch der allgegenwärtige und archaische Aberglaube, der Hang zum Mystischen und Beklemmenden immer noch überall zu spüren und lebendig. Die Geschichte beginnt, als der Dorflehrer Wilhelm Steiner unter mysteriösen Umständen von einem Aussichtsturm in den waldigen Bergen in den Tod gestoßen wird.

Schnell est der bayerische Gendarm Karl Leiner zur Stelle, um die Ermittlungen in diesem merkwürdigen Mordfall aufzunehmen. Sofort beginnt er, den Mord am Dorfschullehrer zu untersuchen – und stößt auf immer mehr verstörende Details und Zusammenhänge. Denn in Talberg hat jeder ein düsteres Geheimnis und nichts ist so, wie es zuerst erscheint…

MEINUNG:

Ich kann schonmal vorausschicken: Ich bin sowas von geflasht von diesem grandiosen Buch! Das für mich wahrscheinlich Großartigste an diesem Buch ist definitiv die Atmosphäre, die der Autor Max Korn zu erzeugen versteht. Er nimmt uns mit auf eine Zeitreise und katapultiert uns in eine Welt, von der ich zuvor nicht wusste, dass sie in dieser Form in Bayern im 20. Jahrhundert noch existierte. Denn es herrscht eine beklemmende, erdrückende Atmosphäre der Geheimniskrämerei, der kleingeistigen Angepasstheit und eine verstörende Sprachlosigkeit in diesem Dorf, die mir wirklich den Atem geraubt hat. Zudem ist in Talberg der Aberglaube an Hexen, Fabelwesen (wie zum Beispiel den „Trud“, der einem die Kehle zudrückt) und Flüche allgegenwärtig und eine Protagonistin bekommt dies besonders zu spüren. Dass dies so ein vorherrschendes Thema im ländlichen Bereich damals war, war mir so wirklich nicht klar und hat mich absolut fasziniert. Und wenn wir hier auch schon im traditionellen Bayern sind, kommt natürlich auch einiges Lokalkolorit in Sprache und Tradition nicht zur kurz, einfach großartig!

Zudem sehen wir die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Charaktere und können auf diese Weise einigen Protagonisten „in den Kopf schauen“. Das ist nicht nur interessant, emotional und hochspannend. Manchmal ist es auch einfach nur verstörend. Aber zu jedem Zeitpunkt hing ich gebannt an den Lippen des Autors und musste unbedingt wissen wie es weitergeht.

Zudem enthält dieses Buch ja auch ein Grundthema, bzw. eine Prämisse, wie ich sie bei Büchern liebe: Und zwar die Grundthematik eines Dorfes, in dem nichts so ist, wie es scheint und in dem lauter mysteriöse und düstere Geheimnisse darauf warten, vom Leser gelüftet zu werden. Daher hat „Talberg 1935“ hier bei mir voll ins Schwarze getroffen!

Was ich besonders am Schreibstil des Autors feiere, ist zum einen die Tatsache, dass man die Protagonisten irgendwie schnell sympathisch findet (zumindest einige davon) und unbedingt wissen MUSS, wie es mit ihnen weitergeht. Zum anderen schafft es Max Korn, dass man so manches Geheimnis nicht einfach plump serviert bekommt, sondern dass man vieles bis zum Schluss zwischen den Zeilen erahnen und für sich zusammensetzen muss. Da mutet er seinen Leser*innen durchaus zu, sich eigene Gedanken zu machen und da kommt dann durchaus der eine oder andere Schub an Dopamin im Gehirn der Leser*innen. Sowas liebe ich unheimlich!

Insgesamt kann ich nur sagen, dass „Talberg 1935“ eines meiner Jahrshighlights 2022 ist und ich definitiv die anderen Teile lesen werde. Ganz, ganz große Empfehlung an alle Thriller-Freunde da draußen!

„Talberg 1935“ von Max Korn, erschienen bei Heyne

Das Buch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.