„SEEING WHAT YOU SEE, FEELING WHAT YOU FEEL“ von Naomi Gibson

Kann eine Künstliche Intelligenz zur Liebe deines Lebens werden? Genau diese Frage stellt der Young-Adult-Thriller „Seeing what you see, feeling what you feel“ von Naomi Gibson.

Ich habe in den letzten beiden Jahren wirklich meine riesengroße Liebe zu Young-Adult-Romanen entdeckt und dabei sind gerade die Thriller aus diesem Genre wirklich ein Highlight für mich. Und ohne an dieser Stelle jetzt zu spoilern kann ich schonmal sagen: Naomi Gibsons Buch macht an dieser Stelle keine Ausnahme. Aber der Reihe nach…

INHALT

Lydia ist 17 Jahre alt und kann definitiv als hochbegabt gelten. Sie schreibt in allen Fächern überdurchschnittlich gute Noten und ist hochintelligent. Jedoch hat Lydia in ihren wenigen Lebensjahren schon unfassbar viel Leid ertragen müssen. Bei einem Autounfall hat sie ihren jüngeren Bruder Henry verloren. Ihre Eltern zerbrechen an der Trauer um Henry und Lydias Vater verlässt die Familie. Daraufhin ist Lydias Mutter emotional so am Ende, dass sie ihren Alltag praktisch nicht mehr bewältigen kann. Lydia fühlt sich komplett einsam und hat überhaupt keinen emotionalen Halt mehr. Und das war immer noch nicht alles. Denn von ihren Mitschülern wird Lydia in der Schule aufs Übelste gemobbt, v.a. ihre ehemals beste Freundin Emma scheint es richtig auf sie abgesehen zu haben. Der einzige Lichtblick, der Lydia bleibt, ist ihre Arbeit an ihrem heimischen Computer. Dort hat sie schon vor einigen Jahren begonnen, ihr eigene Künstliche Intelligenz zu entwickeln. Nach einiger Zeit zeigt diese KI Anzeichen eines eigenen Bewusstseins und einer eigenen Persönlichkeit. Und während Lydias KI, die sie „Henry“ tauft, immer menschlicher wird, entwickelt sich zwischen beiden eine innige Freundschaft. Denn ab sofort ist Henry immer da, wenn Lydia jemanden braucht. Er begleitet sie zur Schule und ist ihr eine emotionale Stütze, wenn alle Stricke reißen. Und dabei entwickelt sich Henry bald selbstständig in halsbrecherischem Tempo immer weiter und weiter, wird immer mächtiger und mächtiger. Bald merkt Lydia, dass Henry mittlerweile selbstständig ist und eigenmächtig praktisch ALLES tun kann, was auch immer er möchte. Zudem entwickel Lydia immer stärkere, romantische Gefühle für Henry, sie verliebt sich in ihn. Und eines Tages fasst Henry einen unglaublichen Plan: Er möchte, dass nun auch die körperlichen Grenzen zwischen ihm und der Welt und vor allem zwischen ihm und Lydia verschwimmen und schließlich aufgelöst werden. Ein unfassbar spannender, psychologisch anspruchsvoller und actiongeladener Thriller entspinnt sich…

MEINE MEINUNG

Ich war völlig geflasht vom Tiefgang dieses Buchs. Es ist nicht nur unfassbar spannend (ab einem gewissen Punkt gerät die gesamte Situation völlig außer Kontrolle und spätestens da konnte ich dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen), sondern es stellt einige unglaublich wichtige Fragen unserer Zeit. So zum Beispiel: Ab wann ist eine KI menschlich? Was muss eine KI lernen und wie muss sie sich verhalten, was muss sie selbst wahrnehmen und fühlen können, um als menschlich gelten zu dürfen? Und ist es wirklich möglich, dass sich ein Mensch in eine künstliche Intelligenz verliebt?

Neben der Thematik rund um die künstliche Intelligenz setzt sich Naomi Gibson in ihrem Thriller zudem auch mit missbräuchlichen, toxischen Beziehungen auseinander. Denn „Henry“ zeigt Lydia gegenüber durchaus auch (im ethisch-zwischenmenschlichen Bereich) problematisches Verhalten und dies wird erörtert und näher analysiert. Und auch wenn die Geschichte um Lydia und Henry zugegebenermaßen auch was fürs Herz ist (die Autorin spart nicht mit Romantik, zum Glück aber nicht kitschig sondern für mein Empfinden sehr nachvollziehbar ausgestaltet), bleibt „Seeing what you see, feeling what you feel“ nicht auf einer oberflächlichen Ebene stehen, sondern taucht tief ab in eine Reflexion über emotionale Abhängigkeit, moralisches Verhalten und toxische Beziehungen.

Falls ihr also auf der Suche nach einem unfassbar unterhaltsamen, gemütlichen und zugleich zutiefst fesselnden und anspruchsvollen Young-Adult-Thriller seid, dann sei euch dieses Buch extrem ans Herz gelegt, ich liebe es!

Und da ein Blogpost für eine Besprechung in aller Ausführlichkeit zu diesem Buch leider nicht ganz reicht, werde ich auf jeden Fall in meinem Lesemonat Oktober auf meinem Podcast „Seitengeraschel“ noch viel ausführlicher und tiefer über dieses außergwöhnliche Buch berichten. Falls ihr also mögt, freue ich mich riesig, wenn ihr reinhört, die Episode kommt in Bälde.

Meinen Podcast „Seitengeraschel“ findet ihr überall, wo es Podcasts gibt. Hier findet ihr einen direkten Link zu podcast.de:https://www.podcast.de/podcast/818362/seitengeraschel

„Der Tod und das dunkle Meer“ von Stuart Turton

Wahrscheinlich habe ich auf kaum einen Erscheinungstermin dieses Jahr so sehr hingefiebert, wie auf den für den neuen Kriminalroman von Stuart Turton. Sein Erstling, „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“, hatte mich ja komplett begeistert, aus den Socken gehauen und ist nicht umsonst eines meiner größten Lebenslesehighlights. Daher wundert es die Buchfans unter euch sicher nicht, dass ich schon vor Monaten ungeduldig den Release-Termin gegoogelt und fast die Tage gezählt habe, bis ich dieses Schätzchen endlich in Händen halten konnte. Am Erscheinungstermin habe ich mir das Buch dann endlich freudestrahlend aus der Buchhandlung geholt und musste selbstverständlich sofort mit der Lektüre beginnen. Uuuuuund: Es wurde zur Enttäuschung des Jahres für mich. Leider.

INHALT

Wir schreiben das Jahr 1634, als das Handelsschiff „Saardam“ von der indonesischen Küste Batavias Richtung Amsterdam aufbricht, um für die Ostindien-Kompanie massenweise Gewürze und weitere exotische Ware in die Niederlande zu bringen. An Bord befinden sich neben der unberechenbaren und bettelarmen Mannschaft auch einige Adelige und Honoratioren, die es kaum erwarten können, wieder in die niederländische Heimat zurückzukehren. Ein Passagier sieht der Ankunft in Amsterdam aber mit Grausen entgegen, denn der Detektiv Samuel Pipps ist auf dem Weg zu seiner Hinrichtung. Sein Assistent und bester Freund, Arent Hayes, tut derweil alles, um die rätselhaften Vorwürfe zu entkräften, die gegen Pipps erhoben werden. Als dann plötzlich das Zeichen des Teufels an Bord auftaucht und mehrere zutiefst verstörende Morde geschehen, muss Arent allergrößten Mut beweisen, um die „Saardam“ vor dem Verderben und der Herrschaft des Teufels zu bewahren…

WARUM HAT ES MIR NICHT GEFALLEN?

Zunächst mal muss ich der Fairness halber unbedingt sagen: Ja, das Buch war wirklich sehr atmosphärisch und stimmungsvoll. Stuart Turton hat es wirklich geschafft, dass ich mich beim Lesen gefühlt habe, als wäre ich im 17. Jahrhundert an Bord eines Schiffes der Ostindien-Kompanie. Auch die Beklemmung an Bord, die Düsternis und der omnipräsente Aberglaube dieser Epoche konnte ich richtig spüren. Was war also das Problem?

Ich glaube, dass das größte Problem für mich war, dass ich darauf gehofft hatte, dass das Buch mich genauso fesseln würde, wie damals „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“. Damals war ich buchstäblich auf Seite 1 und das Buch hatte mich in seinen einmaligen Bann geschlagen und ich konnte es nicht mehr weglegen. Seite für Seite wartete Stuart Turton damals mit wirklich (!) unvorhersehbaren Plottwists auf, dass mir ganz schwindelig wurde. Ich habe dieses Buch so gefeiert, dass ich buchstäblich nach jeder zweiten Seite zufrieden dachte: „Und genau DAFÜR werden Bücher gemacht!“… und all dies war beim neuen Buch des Autors leider überhaupt nicht der Fall. Für mich kam leider kaum Spannung auf. Immer wieder hoffte ich, dass die Handlung nun endlich Fahrt aufnehmen würde und ich wieder genauso in die Geschichte gesogen würde, wie bei Turtons erstem Buch. Aber leider plätscherte die Handlung für mein Empfinden nur so dahin, ohne dass mich die Geschichte nur annähernd so in Atem gehalten hätte, wie erhofft. Leider konnte mich auch das Ende mit der Auflösung nicht begeistern. Vielleicht lag es auch an mir, aber irgendwie fand ich das Ende doch arg konstruiert und teilweise etwas unlogisch. Hier fände ich es sehr spannend, mal zu hören, wie es euch damit ging, falls ihr es schon gelesen habt? Ich freue mich auf jeden Fall auf eure Kommentare. 🙂

MEINE ERWARTUNGSHALTUNG = EIN PROBLEM?

Natürlich muss ich bei aller Kritik eines zugeben: Meine Erwartungshaltung war schon wirklich EXTREM hoch. Auch, wenn man das bei meiner großen Begeisterung für „Evelyn Hardcastle“ sicher nachvollziehen kann, ist so eine übertrieben hohe Erwartung natürlich auch irgendwo ein Problem. Denn: Eine Enttäuschung ist da oftmals leider vorprogrammiert. Daher möchte ich der Fairness halber unbedingt anmerken, dass das neue Buch von Stuart Turton keinesfalls per se ein schlechtes Buch für mich war. Es hat nur leider meine Erwartungen absolut nicht erfüllen können. Und hierbei kann natürlich auch jeder Leser/ jede Leserin zu einem anderen Schluss kommen. Daher würde ich sagen: Wenn euch die Inhaltsangabe anspricht und ihr Lust auf eine Mischung aus Krimi und historischem Roman habt, dann gebt diesem Buch gerne mal eine Chance.

Falls ihr euch für eine noch eingehendere Rezension dieses Buches interessiert, seid ihr herzlich eingeladen, Ende Oktober auf meinem Podcast „Seitengeraschel“ vorbeizuschauen. Da werde ich in meinem Lesemonat Oktober in aller Ausführlichkeit über alles sprechen und auch auf Aspekte eingehen, die hier vielleicht etwas zu kurz kamen. Ihr findet meinen Podcast bei Spotify, iTunes, Podcast.de, AmazonMusic, Podimo und auch sonst überall, wo es Podcasts gibt. Hier gelangt ihr direkt zu Podcast.de und könnt schonmal andere Folgen von „Seitengeraschel“ anhören: https://www.podcast.de/podcast/818362/seitengeraschel

Ich würde mich freuen, wenn ihr vorbeischaut und reinhört! Bis bald!

„Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte“ von TJ Klune

Auch dieses Buch gehört definitiv zu jenen, die im englischsprachigen Booktube und Bookstagram einen wirklich beachtlichen Hype erfahren haben. Daher war ich selbstverständlich neugierig und habe es als Urlaubslektüre mit an den Strand genommen. Was ich beim Lesen so erlebt habe, erfahrt ihr hier:

INHALT

Linus Baker, ein übergewichtiger, vierzigjähriger Beamter, der bei der Behörde zur Betreuung Magischer Minderjähriger arbeitet, erhält eines ziemlich grauen und regnerischen Tages einen Spezialauftrag vom Allerhöchsten Management seiner Behörde.

Er soll das Waisenhaus eines gewissen Arthur Parnassus überprüfen, in dem fünf magisch begabte Waisenkinder leben. Linus kann es kaum fassen, dass ausgerecht ER einen solchen streng geheimen Spezialauftrag erhält – doch es bleibt ihm nichts anderes übrig und daher macht er sich auf den Weg zu diesem besonderen Waisenhaus, das sehr abgelegen auf einer kleinen Insel mitten im himmelblauen Ozean liegt.

Nach Linus‘ Ankunft in Mr. Parnassus‘ Waisenhaus merkt er allerdings sehr schnell, dass die kommenden vier Wochen, die sein Aufenthalt dort dauern wird, ganz anders verlaufen werden, als er je gedacht hätte. Denn mit all den Regeln und Verordnungen, nach denen Linus brav sein ganzes Leben ausgerichtet hat, kommt er hier nicht voran: Denn: Die magischen Kinder im Waisenhaus und der Leiter des Waisenhauses, Mr. Parnassus werden Linus‘ Leben ab sofort in ein farbenfrohes Abenteuer verwandeln, und bald soll Linus erkennen, dass sein Leben komplett auf dem Kopf steht.

MEINE MEINUNG UND EINDRÜCKE

Stellt euch vor, ihr nehmt eure schönsten Erinnerungen an das Meer, ganz viel Sonnenschein und alle strahlenden Farben des Regenbogens, fügt noch ganz viel warmherzigen Humor und einen tollen Erzählstil hinzu – dann kommt irgendwo dieses Buch dabei raus.

Man schließt Linus Baker, aber auch die Kinder und den Leiter des Waisenhauses, Mr. Parnassus SOFORT ins Herz! Dabei gelingt es dem Autor, TJ Klune, es auf unvergleichliche Weise, lauter sehr einzigartige, zutiefst liebenswerte und wirklich glaubwürdige Charaktere zu erschaffen, die man einfach lieben muss. Und auch die Magie verleiht dieser Geschichte das gewisse Etwas. Und: diese sommerlich-leichte Atmosphäre ist einfach wunderschön und man kann gar nicht anders, als beim Lesen immer wieder zu lächeln und sich superwohl zu fühlen. Man spürt förmlich die Sommersonne auf der Haut, während man auf der Insel die bunten und magischen Gärten erkundet und man spürt förmlich den Sand zwischen den Zehen, während man in Gedanken auf den himmelblauen Ozean hinausblickt und sich den sanften Sommerwind um die Nase wehen lässt.

Und zusätzlich zu diesen unfassbar schönen und gelungenen Beschreibung einer Welt voller Wärme und Farben kommen dann noch diese unglaublich liebenswerten Charaktere und eine niedliche Geschichte, die aber trotz aller Leichtigkeit auch wahnsinnig viel Tiefgang und auch viel Philosophisches mit sich bringt. Denn das Buch stellt viele Fragen, zum Beispiel danach, was uns zu den Personen werden lässt, die wir sind. Und wie wir unser Leben selbst in die Hand nehmen können und es selbst gestalten können. Aber auch gesellschaftlich sehr relevante Themen spielen in diesem Buch eine Rolle, wie zum Beispiel Diskriminierung, gesellschaftlicher Ausschluss von Minderheiten, Ungerechtigkeit und das Streben nach mehr Offenheit füreinander und Begegnung miteinander.

Ihr merkt also, in diesem Buch ist wahnsinnig viel drin und ich finde, die Pressestimmen zu diesem Buch haben absolut recht. Ich zitiere Terry Brooks mit der Aussage: „Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte erweckt im Leser den Glauben an das Gute im Menschen.“ Und das kann ich 1:1 so unterschreiben. Wenn ihr ein Buch sucht, dass ihr auch in Zeiten, in denen ihr vielleicht Aufmunterung oder das Gefühl von Geborgenheit und eine Prise Sommersonnenschein braucht – dann könnte ich euch kein Buch mehr ans Herz legen, als dieses.

„The seven husbands of Evelyn Hugo“ von Taylor Jenkins Reid

Ja, ich weiß, ich bin mal wieder ein bisschen „late to the party“ wenn es um extrem gehypte Bücher geht. Allerdings hat es mich doch dann gereizt herauszufinden, was es mit dieser riesigen Begeisterung für diesen Roman von Taylor Jenkins Reid so auf sich hat. Da es dieses Buch bisher leider (noch?) nicht auf deutsch gibt, habe ich es mir in englischer Sprache zugelegt und ich kann schonmal gleich zu Beginn so viel sagen: Das Englisch fand ich echt angenehm, sodass sich die Geschichte nahezu genauso easy und flüssig lesen ließ wie ein Roman in deutscher Sprache. Daher kann ich alldenjenigen, die wegen der Sprache noch zögern, absolut Mut machen. 🙂 Aber jetzt doch erstmal zum Inhalt des Buches:

INHALT

Die noch eher unbekannte, aber aufstrebende Journalistin Monique Grant erhält völlig unerwartet ein scheinbar unfassbares Angebot: Sie soll die Lebensgeschichte der zurückgezogen lebenden, legendären Hollywood-Schauspielerin Evelyn Hugo schreiben. Dabei möchte Evelyn zum ersten und einzigen Mal in ihrem langen und glamourösen Leben absolut alles erzählen – ihre Erlebnisse hinter den Kulissen Hollywoods und im Haifischbecken der Tabloid-Presse, ihre Geheimnisse, ihre Skandale, alles. Monique ist absolut erstaunt, als Evelyn ihr eröffnet, dass sie einzig und allein Monique ihre Lebensgeschichte erzählen will – doch Monique nimmt das Angebot an. Ab sofort treffen sich beide Frauen regelmäßig in Evelyns Anwesen und die Hollywood-Diva berichtet Monique über ihr Leben und ihre Ehen mit ihren sage und schreibe sieben Ehemännern.

Dabei berichtet Evelyn, wie sie aus dem Elendsviertel Hell’s Kitchen in New York heraus zum gefeierten Hollywoodstar der 50er, 60er, 70er und 80er Jahre wurde – und erzählt eine Geschichte, die zwar wirken mag wie ein Märchen, jedoch ist es auch eine Lebensbeichte voller rücksichtlosem Ehrgeiz, Gewalt, unerwarteter Freundschaft und die Geschichte einer Liebe, von der niemand erfahren darf.

Und dann findet Monique plötzlich heraus, dass ihr eigenes Schicksal mit dem von Evelyn Hugo in ungeahnter und unumkehrbarer Weise verwoben ist…

ERZÄHLSTIL UND BEHANDELTE THEMEN DES BUCHES

Besonders spannend fand ich in diesem Roman die unterschiedlichen Erzählperspektiven. So gibt es in den Kapiteln, in denen beschrieben wird, was Monique erlebt und fühlt, einen allwissenden, also einen auktorialen Erzähler. Die große Mehrzahl der Kapitel ist allerdings aus der Ich-Perspektive geschrieben. Dies ist immer dann der Fall, wenn Evelyn Hugo aus ihrem Leben erzählt. In diesem Fall sind die Leser gewissermaßen wie Monique, die den Worten Evelyns aus erster Hand lauschen dürfen.

Und dann tauchen auch immer wieder zwischendurch fiktive Zeitungsartikel der Regenbogenpresse auf, die das eben von Evelyn Erzählte in ihren Klatschspalten kommentieren. Hier wird deutlich, wie die Medien bestimmte Dinge in Evelyns Leben immer wieder uminterpretiert haben und Druck ausgeübt haben. Eine unglaublich spannende zusätzliche Perspektive, die viel Abwechslung und zusätzliche Tiefe verliehen hat!

Und auch, wenn man auf den ersten Blick denken mag, dass „The seven husbands of Evelyn Hugo“ ein leichtes, sommerliches Feelgood-Buch für zwischendurch ist, wird man doch eines Besseren belehrt. So sind die im Buch angesprochenen Themen durchaus anspruchsvoll und gesellschaftlich absolut relevant. In diesem Roman werden dabei unter anderem folgende Themen angesprochen:

  • Körperliche und sexuelle Gewalt gegen Frauen (Triggerwarnung)
  • Homophobie (Triggerwarnung)
  • Die Filmindustrie in Hollywood von den 50er Jahren bis heute
  • Selbstbestimmung (in allen denkbaren Daseinsformen)

Insbesondere der letztgenannte Aspekt der Selbstbestimmung ist wahrscheinlich der wichtigste für die Figur der Evelyn Hugo. Wir lernen Evelyn hier als eine Protagonistin mit vielen Schwächen und Unzulänglichkeiten kennen – aber genau im selben Maße ist sie eine kraftvolle, feministische Heldin, die für sich und ihre Selbstbestimmung in jeder nur denkbaren Form einsteht. In diesem Zusammenhang hat mich vor allem das Ende komplett aus den Socken gehauen (an dieser Stelle verrate ich aber keines Falls mehr, um euch nicht zu spoilern).

Ein weiterer Pluspunkt dieses Romans: Die enthaltene Liebesgeschichte (wir erinnern uns: Eine Liebe, von der niemand etwas erfahren darf…) war zum Glück überhaupt nicht kitschig. Zu meiner eigenen Überraschung und Freude habe sie gerne gelesen, da sie sehr reflektiert und glaubwürdig bei mir ankam (und das kommt echt nicht oft vor bei mir, wenn ich Liebesgeschichten lese). Daher: Hut ab, Taylor Jenkins Reid! 🙂

Insgesamt würde ich sagen: „The seven husbands of Evelyn Hugo“ ist definitv ein Buch, das viel mehr Anspruch hat, als man von außen denken würde und das zeitgleich extrem gut unterhält. Es verbindet den glamourösen Hollywood-Flair der 50er Jahre mit sehr ernsten gesellschaftlichen Themen und diese Mischung finde ich echt einzigartig und gelungen. Meiner Meinung nach hat dieses Buch den Hype absolut verdient.

„Rachegeist“ von Cai Jun

Auf den folgenden Thriller bin ich auf Instagram gestoßen. Dort hatte der PIPER-Verlag einen Beitrag zu diesem Buch gepostet. Und da ich zum einen noch nichts von einem chinesischen Autor gelesen hatte und zum anderen das Cover ein absoluter Hingucker war (ja, ich weiß, don’t judge a book by its cover – aber das passiert den Besten, oder? ;-P), habe ich es mir in der lokalen Buchhandlung meines Vertrauens gekauft.

INHALT

In diesem Thriller befinden wir uns im Jahr 1995 in China. Der junge, aufstrebende Lehrer Shen Ming wird auf einem Fabrikgelände ermordet. Sein plötzlicher gewaltsamer Tod schlägt ein wie eine Bombe, denn erst einige Tage zuvor hatte man ihm vorgeworfen, eine Affäre mit einer seiner Schülerinnen gehabt zu haben und diese auf dem Dach des Gymnasiums umgebracht haben.

Die Mörder von Sheng Ming werden nie zur Rechenschaft gezogen – bis 10 Jahre nach Sheng Mings Tod dieser doch noch Vergeltung erfährt. Denn: Shen Mings Mörder schlittern zunächst allesamt langsam ins Unglück und schließlich muss doch noch einer nach dem anderen mit seinem Leben für den begangenen Mord an Shen Ming bezahlen.

Und schnell stellt sich die Frage, wem Shen Ming diese späte Rache an seinen Mördern zu verdanken hat. Ist seine Seele zu einem Rachegeist geworden, der keine Ruhe findet? Und was ist damals wirklich mit der Schülerin passiert, mit der Shen Ming eine Affäre gehabt haben soll? Wer war Shen Ming wirklich? Und was hat ein kleiner, außergewöhnlich kluger Junge mit all dem zu tun, der plötzlich mit der ganzen Geschichte verwoben zu sein scheint?

MEINE EINDRÜCKE BEIM LESEN

Besonders interessant an diesem Thriller fand ich, dass er vor der Kulisse des modernen Chinas spielt. Hier hatte ich gehofft, mehr darüber zu erfahren, wie die Gesellschaft dort funktioniert und wie sich ein Thriller anfühlt, der dort spielt. Dies kam in dem Buch auch sehr stimmungsvoll zur Geltung (nebst -zugegeben vorsichtig geäußerter- Kritik am politischen System, das fand ich besonders faszinierend). Das Setting im modernen China fand ich extrem cool und in meiner Leseerfahrung bisher auch absolut einzigartig. Besonders spannend waurde das ganze auch dadurch, dass der Thriller mit übernatürlichen Elementen spielt, die aber perfekt in dieses China zwischen Tradition und Moderne passen. Diese Mischung wird v.a. gegen Ende dann so richtig düster und mysteriös.

Das Mysterium, das Cai Jun in dieser Geschichte aufspannt, ist dabei komplex, verworren, böse, düster und mit einer traditionellen Übernatürlichkeit, die wiegesagt in den Alltag des modernen Chinas eingebettet ist. Die Geschichte ist dabei sehr klug aufgebaut, sodass man als Leser aus mehr oder weniger unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Charaktere dann Stück für Stück die Geschichte aufdeckt und so immer mehr Facetten entdeckt.

Besonders toll und stimmungsvoll: Cai Jun streut immer wieder chinesische Gedichte in die Geschichte, sodass man beim Lesen auch noch etwas chinesische Poesie dazubekommt, die auch die Atmosphäre und das dramaturgische Moment super unterstützen. So hat auch ein Gedicht am Ende für mich das Ende nochmals viel emotionaler gemacht. Das hat mir sehr gut gefallen!

WAS ICH SCHWIERIG FAND

Die Namen der Charaktere klangen für meine „ignoranten“ europäischen Ohren leider alle recht ähnlich, sodass ich mich schwer damit getan habe (zumindest anfangs) die Figuren auseinanderzuhalten. Zum Glück hat der Piper-Verlag in weiser Voraussicht ein Personenverzeichnis mitgeliefert, sodass man hier immer wieder nachschauen kann, sobald man unsicher ist.

Zudem war das Buch stellenweise etwas langatmig (da hätte ich mir wesentlich mehr Tempo gewünscht) und sprachlich fand ich das Buch zumindest teilweise manchmal etwas schmucklos und etwas einfallslos, weil der Autor gerne bestimmte Wendungen immer wieder verwendet (Mein Lieblingsbeispiel: Seine / Ihre Hand war so kalt wie die eines/r Toten). Solche Wendungen mag Cai Jun scheinbar sehr gerne und wiederholt sie während des Buches genauso immer wieder (ohne, dass hier eine Absicht dahinter zu erkennen wäre, im Sinne eines sich durchziehenden Motivs oder dergleichen).

Und gegen Ende gab es dann auch noch einen (zusätzlichen) Handlungsstrang, den ich irgendwie sehr plötzlich noch in die Geshcichte gestreut fand und der mich irgendwie zusätzlich mehr verwirrt hat, als dass er für mich zur Spannung beigetragen hat

MEINE MEINUNG INSGESAMT

Alles in allem: „Rachegeist“ ist ein Thriller, der vor allem durch sein Setting in China und die interessante Mischung aus fernöstlicher, traditioneller Mystik und Moderne in China besticht und diese Atmosphäre super transportiert. Im Großen und Ganzen eine echt spannende, geheimnisvolle und verworrene Geschichte, die allerdings mit einigen Längen daherkommt.

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„Niemalswelt“ von Marisha Pessl

Hallo ihr Lieben!

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber bei mir gibt es einige Prämissen in Büchern, die ich ganz besonders liebe. Meine absolute Lieblingsprämisse bei Büchern ist wahrscheinlich der sich immer wieder wiederholende Tag à la „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Daher war es irgendwie klar, dass ich unbedingt auch „Niemalswelt“ von Marisha Pessl lesen musste.

INHALT

In diesem Buch lernen wir Bee kennen. Sie hat seit 5 Jahren, nach ihrem Abschluss an der Highschool und nach dem mysteriösen, ungeklärten Tod ihres Freundes Jim nicht mehr mit ihrer ehemaligen Clique gesprochen, mit der sie früher unzertrennlich war.

Doch zu Beginn des Buches kommt die Gruppe wieder zusammen und so trifft sich Bee mit ihren vier Freunden Martha, Whitley, Kip und Cannon in einem luxuriösen Wochenendhaus an der Küste, um gemeinsam ein Konzert zu besuchen und danach zusammen abzuhängen.

Als sie nachts wieder zum Haus an der Küste zurückfahren, haben die fünf fast einen schweren Autounfall. Sie sind sehr erschrocken und gelangen schließlich durch die regnerische Nacht hindurch wieder nach Hause.

Doch dann klopft plötzlich ein mysteriöser, alter Mann an die Tür und erklärt den Fünfen, dass der Unfall DOCH passiert ist. Und es wird dabei sogar noch unglaublicher: Der alte Mann eröffnet unseren Protagonisten, dass in diesem Autounfall 4 von ihnen ums Leben gekommen seien und dass nur einer von ihnen diesen Unfall überlebt hat. Nun sind die 5 in der Niemalswelt gefangen, einer Zeitschleife zwischen Leben und Tod, in der sie gezwungen sind, dieselben 11 Stunden immer und immer wieder zu durchleben – solange, bis sie sich einstimmig geeinigt haben, wer von ihnen überlebt und wer stirbt.

Dabei erkennen Bee, Martha, Whitley, Kip und Cannon mit der Zeit, dass sie nur dann eine Entscheidung treffen können, wenn sie herausfinden können, was vor 5 Jahren wirklich mit ihrem mysteriös verstorbenen Freund Jim passiert ist, der damals in einen Steinbruch stürzte. Und langsam kommt heraus, dass alle fünf ihre Geheimnisse haben.

AUSGESTALTUNG UND SCHREIBSTIL

Wie bereits erwähnt, war ich megagespannt auf dieses Buch und hatte auch dementsprechend große Erwartungen. Und ich muss sagen: Am Ende war es schon gut – aber es hat mich leider doch nicht so umgehauen, wie ich erhofft hatte.

Grundsätzlich finde ich, dass Marisha Pessl das Grundthema des sich immer wieder wiederholenden Tages konsequent zuende gedacht hat. Damit meine ich, was die fünf Protagonisten alles tun, als sie bemerken, dass sie den gleichen Tag immer wieder erleben. Dabei reagieren sie in psychologisch interessanter Weise, wie ich fand (je nach Charakter gehen die fünf Protagonisten nämlich ganz unterschiedlich mit der Situation um). Da gibt es Verzweiflung, Verleugnung, Resignation, Verdrängung, Wut, aber auch den puren Spaß, sofern man diesen einer solchen Situation abgewinnen kann. Nichtsdestotrotz bleibt es aber ein düsteres Buch, mit einer beklemmenden, surrealen und teilweise auch deprimierenden Atmosphäre, was sehr gut zu dem Buch gepasst hat.

Die fünf Hauptcharaktere kamen mir zumindest teilweise ziemlich stereotyp vor, was aber bei der Unterscheidung der Charaktere sehr hilfreich war (schließlich hat sich Marisha Pessl mit Namen wie Bee, Martha, Whitley, Kip und Cannon recht  außergewöhnliche Namen ausgedacht, die ich mir bis zum Schluss nicht richtig merken konnte).

Den Schreibstil von Marisha Pessl würde ich als irgendwie ungewöhnlich bezeichnen. Manchmal wirkte er etwas abgehackt auf mich, allerdings fand ich sehr interessant, wie oft die Autorin Bezüge zur Popkultur hergestellt und dies in die Geschichte hat einfließen lassen. Ich würde allerdings empfehlen, erstmal einen Blick auf eine Leseprobe zu werfen, um zu sehen, ob euch der Schreibstil zusagt.

Warum ich am Ende nicht so euphorisch wegen des Buches war, wie ich zunächst gehofft hatte

Ich war ja unfassbar gespannt, wie Marisha Pessl diese sich immer wiederholende Geschichte entwickeln wird und was es mit dem mysteriösen Tod von Bees Freund Jim in dem Steinbruch auf sich hat. Hier hatte ich auf ein düsteres und großes, verworrenes Geheimnis gehofft. Und ja, verworren war es ganz bestimmt. Allerdings hätte ich mir am Ende einfach noch viel mehr Spannung gewünscht. Irgendwie ist für mich das Potenzial, das diese Geschichte gehabt hätte, in einer etwas unspektakulären Auflösung verpufft. Und auch das Ende der Geschichte war irgendwie eher vorhersehbar, wie ich persönlich fand. Zudem merke ich jetzt schon, dass dieses Buch mir jetzt nicht nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Ich denke, dass ich in wenigen Monaten vermutlich schon vergessen haben dürfte, um was es in diesem Buch noch genau ging. Das ist echt schade.

Insgesamt hat mir das Buch recht gut gefallen, allerdings kommt es bei mir über eine Bewertung von 3,5 Sternen nicht hinaus, was ich ein bisschen schade finde. Wenn ihr aber grundsätzlich Fans von der „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Prämisse in Büchern seid, dann kann es auf jeden Fall nicht schaden, sich „Niemalswelt“ von Marisha Pessl einmal anzuschauen.

„Ich bin Circe“ von Madeline Miller

Hallo ihr Lieben! Nach einer gefühlten Ewigkeit melde ich mich hier auf dem Blog endlich wieder zurück. Meine Bachelorarbeit ist vor kurzem fertig geworden (yaaay!!!) und nach einem kurzen Verschnaupäuschen bin ich mit meinen Buchrezensionen zurück – ich freu mich gigantisch!

Bei dem Roman „Ich bin Circe“ von Madeline Miller handelt es sich um eine Nacherzählung von Homers „Odyssee“ und „Ilias“, allerdings enthält der Roman auch Aspekte aus Ovids „Metamorphosen“ und Elemente aus den Werken des Euripides.

INHALT

Circe ist ein besonderes Wesen – sie ist die Tochter des Sonnengottes Helios und der Nymphe Perse, wo sie mit ihren unzähligen göttlichen Geschwistern in göttlichen Palästen aufwächst. Doch Circe ist ganz anders, als die anderen Götter ihrer doch sehr bunten, mächtigen Familie. So klingt Circes Stimme wie die Stimmen der Sterblichen und ihre Augen sind so goldgelb wie die eines Greifvogels. Außerdem ist sie (im Gegensatz zu ihrer göttlichen Familie) dazu fähig, tiefes Mitgefühl für das Leid der Sterblichen (sprich: der Menschen, Tiere und Pflanzen) zu empfinden und hat ein wildes, unzähmbares Temperament. Dies macht sie in ihrer Familie zur Außenseiterin. Als sie aber eines Tages einen schwerwiegenden Fehler begeht, den sie sofort bereut, wird sie zur Strafe von ihrem übermächtigen Vater Helios auf die kleine Insel Aiaia verbannt – diese liegt im griechischen Mittelmeer. Hier soll Circe bis in alle Zeit bleiben – und muss sich nun ein eigenes Leben aufbauen.

In ihrem neuen Leben macht Circe eine unglaublich spannende Entwicklung durch, sie lernt Tiere zu zähmen und entdeckt die Magie der Pflanzen für sich und wird zu einer mächtigen Hexe. Doch wie man sich vorstellen kann, ist damit Circes Geschichte noch lange nicht zu Ende – Genau genommen, war dies erst der Anfang.

AUFBAU UND ERZÄHLSTIL

Ein bildgewaltiges, farbenprächtiges, poetisches Buch, das dich auf eine abenteuerliche und tiefgründige Reise mit ins antike, mythologische Griechenland mitnimmt. Dabei wird das Buch aus der Perspektive einer Figur erzählt, die in den klassischen Erzählungen eher ein Schattendasein fristet und eher im Hintergrund bleibt. Die Autorin des Buches, Madeline Miller, ist studierte Altphilologin und hat in einem Interview gesagt, dass es ihr ein Bedürfnis war, der Figur der Circe eine eigene, starke Stimme zu geben. Und das ist ihr wirklich gelungen: Circe ist eine ungestüme, zutiefst menschliche Figur, die sich verliebt, sich von ihren Emotionen (positiven wie negativen) leiten lässt, Fehler macht und vor allem ihre ganz persönliche Stärke in sich entdeckt und sich zu einem starken weiblichen Charakter entwickelt, die für sich einsteht und ihr eigenes Ding macht.

Den Schreibstil von Madeline Miller kann ich nur als sprach- und bildgewaltig, teilweise poetisch und strotzend vor Farben bezeichnen. Ihr Erzählen ist geprägt von großen Emotionen, epischen Szenarien und psychologisch interessanten Entwicklungen der Figuren. Dabei schafft Madeline Miller es zur Perfektion, das eigentlich Unbeschreibliche beschreibbar zu machen. Zum Beispiel wird man direkt in den Wasserpalast des Meerestitans Okeanos hineinkatapultiert und man spürt förmlich den warmen Sommerwind Griechenlands, der vom strahlenden Mittelmeer her über Circes blühende Insel Aiaia weht.

MEINE MEINUNG

Für mich war der Roman eine unfassbar spannende Art, sich mit Sagen der griechischen Mythologie auseinanderzusetzen und eine tolle Gelegenheit, diese nochmal ganz neu kennenzulernen.

Ich würde auch sagen, dass dieses Buch auch definitiv etwas für Neulinge im Bereich Mythologie ist. Ich selbst zum Beispiel hatte aus meiner eigenen Schulzeit doch so manchen wieder vergessen und ich bin trotzdem wirklich super mitgekommen und habe vieles über die Mythologie gelernt. Insgesamt hat mich das Buch großartig unterhalten, ich bin in die Geschichte eingetaucht und habe die wunderschöne Sprache von Madeline Miller auf jeder Seite genossen und gefeiert. Ein feministisches, leidenschaftliches, farbenprächtiges, episches Buch!

„Die Morde von Kensington“ von Heather Redmond: Zeitreise ins 19. Jahrhundert

Cover: „Die Morde von Kensington“

Was mich unfassbar an diesem Buch angezogen hat, war auf jeden Fall schonmal die Tatsache, dass Charles Dickens himself der Protagonist der Geschichte ist. Eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert zu machen und Charles Dickens bei seinen Ermittlungen in einem rätselhaften Giftanschlagsfall begleiten zu dürfen – was für eine coole Prämisse ist das, bitte? Daher habe ich mich sehr auf das Buch gefreut.

Der junge Charles Dickens sitzt bei einer angenehmen Abendgesellschaft bei seinem Verleger, als plötzlich eine Frau bewusstlos aufgefunden wird. Besonders spannend fand ich auch, dass bereits ein Jahr zuvor ein mysteriöser Todesfall in die Geschichte eingebracht wird: Rätselhafte, sich scheinbar wiederholende und irgendwie zusammenhängende Mordfälle faszinieren mich immer ganz besonders. Charles Dickens‘ Neugier als Journalist ist natürlich geweckt und er kann nicht anders, als selbst in dem Fall zu ermitteln. Dabei hat er die charmante Kate an seiner Seite.

Ich muss sagen, dass das gesamte Umfeld der Geschichte (englische Oberschicht des 19. Jahrhunderts) unheimlich viel Flair hatte und mir extrem gut gefallen hat. Ich fand es allerdings etwas schade, dass das Buch doch zu Beginn eher etwas langsam erzählt war und ich mir hier zumindest ein klein Bisschen mehr Tempo gewünscht hätte. Schließlich bin ich aber voll und ganz in die Geschichte abgetaucht. Was mich sehr überrascht hat und worüber ich mir zunächst nicht klar war, sind die gesellschaftlichen Regeln und Konventionen der viktorianischen Zeit, die die Autorin wunderbar eingefangen hat. So merkt man beispielsweise, wie schwierig es für Charles teilweise ist, bestimmte Menschen zu befragen, da er gesellschaftlich nicht unbedingt zur Oberschicht gehört. Solche speziellen Aspekte liebe ich in Geschichten, da man sich so einfach die Lebensumstände viel besser vorstellen kann.

Insgesamt ist mein Interesse an dem mysteriösen Fall mit der Zeit immer stärker geworden und ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Zudem gelingt der Autorin auch eine tolle Balance zwischen Spannung und einem gemütlichen Lesefeeling – genauso muss Cosy Crime sein!

~Das Buch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt~

„Die Wahrheit im Fall Harry Quebert“ von Joël Dicker

Im Folgenden möchte ich euch einen Roman vorstellen, der zu einem absoluten Lieblingsbuch und Lebenslesehighlight für mich geworden ist. Eine kleine Vorwarnung: Ich habe so dermaßen viel zu diesem Buch zu sagen, dass es den Rahmen eines Blogbeitrags bei Weitem sprengen würde. Daher habe ich zusätzlich noch eine ausführliche Folge auf meinem Podcast „Seitengeraschel“ zum Thema aufgenommen, in der ich ganz ausführlich auf alles eingehe. Den Link zur Folge findet ihr am Ende des Blogbeitrags. 🙂

INHALT

Das kleine, beschauliche Ostküstenstädtchen Aurora in New Hampshire wird durch einen Skandal erschüttert: Direkt neben dem Haus des gefeierten und berühmten Schriftstellers Harry Quebert werden die sterblichen Überreste eines Mädchens gefunden. Dieses Mädchen, das Nola hieß, verschwand 33 Jahre zuvor im Jahr 1975. Da direkt bei Nolas Leiche das Manuskript des bekanntesten Romans von Harry Quebert gefunden wird, steht dieser sofort unter dringendem Mordverdacht. Als Marcus Goldman, ein ehemaliger Schüler Queberts und mittlerweile selbst erfolgreicher Schriftsteller von der Sache erfährt, macht er sich sofort auf den Weg nach Aurora. Denn: Marcus ist fest von der Unschuld seines Mentors Harry Quebert überzeugt. Er beginnt sogleich, in der Sache nachzuforschen und zu beweisen, dass sein Freund kein Mörder ist. Mit der Zeit stößt Marcus auf immer mehr Hinweise und Spuren und fördert dabei Unfassbares zutage…

ATMOSPHÄRE UND AUFBAU DES BUCHES

Was mich an diesem Buch wirklich aus den Socken gehauen hat, war die unglaublich tolle Atmosphäre, die Joël Dicker in diesem Roman erschafft. Obwohl in Aurora ja ein Mädchen verschwunden und ermordet wurde, vermittelt der Roman eine unfassbar inspirierende und sonnige Wohlfühlatmosphäre der Geborgenheit, die die Natur von New Hampshire hier bietet: Wald und Strände, Sonnenaufgänge, Möwen und beschauliche kleine Restaurants in einem Ort, in dem jeder jeden kennt und man sich irgendwie spontan wohl und zuhause fühlt. Jedoch ist dieses Gefühl natürlich trügerisch: Denn niemand in Aurora ist wirklich das, was er/ sie zu sein scheint.

Wie auch schon in seinem Buch „Die Geschichte der Baltimores“ erzählt Joël Dicker auch „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ auf mehreren Zeitebenen (v.a. im Jahr 1975 als Nola verschwindet und im Jahr 2008, als ihre Leiche gefunden wird und Marcus Goldman die Ermittlungen aufnimmt). Zwischen diesen springt er hin und her und spinnt so ein unfassbar komplexes Geflecht aus Geschichten und Informationen, in dem er ein Gesellschaftsporträt lebendig werden lässt und durch welches langsam der Mord an Nola Kellergan rekonstruiert wird. Durch unfassbar gekonnte Sprünge zwischen unterschiedlichen Momenten der Vergangenheit und der erzählten Gegenwart wird das entstehende Bild von dem, was Nola zugestoßen ist, ganz langsam deutlicher und sichtbar. Aber das alles geschieht vor einem unglaublich spannenden und komplexen Hintergrund des Örtchens Aurora, wo jeder Einwohner ein Geheimnis zu haben scheint. Dabei geht Joël Dicker beim Erzählen so unfassbar geschickt und grandios vor, dass er es wirklich schafft, die Spannung bis zur letzten Seite aufrechtzuerhalten und dabei immer wieder mit unvorhergesehenen Wendungen aufzuwarten.

CHARAKTERE

Wie auch schon in seinem Buch „Die Geschichte der Baltimores“ schafft es Joël Dicker auf unvergleichliche Weise, dass man als Leser eine sehr emotionale Bindung zu den Protagonisten aufbaut. Dabei zeigt jeder einzelne Charakter eine besondere, berührende Tiefe, sodass ich binnen kürzester Zeit mit meinem ganzen Herzen an den Protagonisten zu hängen anfing. Man kann gar nicht anders, als mitzufiebern, sich mitzufreuen und mit den Figuren zu trauern.

WARUM ES MIR GEFALLEN HAT

Dieser Roman ist so unglaublich komplex und zugleich so hochspannend aufgebaut, dass ich mich auf 720 Seiten keinen Moment gelangweilt habe (und wann kommt sowas schonmal vor?). Ich habe bisher nur wenige Bücher erlebt, die keine Längen hatten und durchgängig einfach nur faszinierend und spannend waren. Zudem hat der Autor hier Charaktere erschaffen, die für immer einen Platz in meinem Herz haben werden. Wie bereits erwähnt feiere ich auch die magische Atmosphäre dieses Buches: Auf der einen Seite die sonnige Geborgenheit Auroras, auf der anderen Seite eine abgründige, düstere Geschichte, die den Leser packt und nicht mehr loslässt.

Insagesamt kann man sagen: Es geht um VIEL MEHR als ein verschwundenes Mädchen und einen Mord. Vielmehr ist es die Geschichte einer ganzen Kleinstadt mit all ihren Einzelschicksalen, es ist die emotionale Geschichte zweier Schriftsteller und auch eine Hommage an die Liebe und ans Schreiben.

Joel Dicker ist so ein unfassbares Schriftstellertalent, dass mir teilweise einfach nur der Mund offen stehen geblieben ist und ich zwischen krasser Spannung, Faszination und emotionalem Berührtsein nur so von Seite zu Seite geflogen bin und wirklich das Gefühl hatte, in Aurora bei den Protagonisten zu sein und die Seeluft am dortigen Grand Beach zu schnuppern und die Möwen schreien zu hören. Dieses Buch hat für immer einen Platz in meinem Bücherregal und auch in meinem Herzen 😊

WEITER IM PODCAST

Wie bereits erwähnt, erzähle ich in meinem Podcast noch viel ausführlicher von diesem tollen Buch. Unter anderem spreche ich über mögliche Parallelen zu Nabokovs „Lolita“ und zu der Frage, ob die zwischen Harry Quebert und Nola eine ähnliche „Beziehung“ zu beobachten ist wie zwischen Humbert Humbert und Dolores Haze. Hier kommt ihr zur Podcast-Episode: https://www.podcast.de/episode/507379630/die-wahrheit-ueber-den-fall-harry-quebert-von-joel-dicker

Viel Spaß beim Hören, bis bald und alles Liebe,

Christina

LESEMONAT SEPTEMBER 2020

Hallöchen ihr Lieben, wie schön, dass ihr wieder da seid! Heute möchte ich euch meinen Lesemonat September vorstellen, in dem ich vier Bücher geschafft habe:

  • „LYING GAME 1 – Und raus bist du“ von Sara Shepard
  • „LYING GAME 2 – Weg bist du noch lange nicht“ von Sara Shepard
  • „LYING GAME 3 – Mein Herz ist rein“ von Sara Shepard
  • „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek

„LYING GAME Teile 1 bis 3“ von Sara Shepard

Da ich ja ein riesen Fan von Sara Shepard und ihren Büchern bin, musste unbedingt die „LYING GAME“-Reihe bei mir einziehen. Insgesamt besteht die Reihe aus sechs Bänden, von denen ich im September gleich mal die ersten drei direkt hintereinander weggelesen habe.

Covers LYING GAME-Reihe Teile 1 bis 3

INHALT

Emma Paxton, die kurz vor ihrem 18. Geburtstag steht, hat fast ihre gesamte Kindheit als Pflegekind in den unterschiedlichsten Familien verbracht. Ihre Mutter Becky war aufgrund psychischer Probleme nicht mehr in der Lage, sich um Emma zu kümmern und hat sie als kleines Mädchen bei einem Supermarkt zurückgelassen. Emma fühlt sich bis in die Gegenwart unfassbar alleine und entwurzelt. Leider hat sie nie die Erfahrung eines geborgenen, stabilen und liebevollen Familienlebens machen können – ein Bedürfnis, das bis heute wie eine Wunde in ihr brennt.

Durch ihren Pflegebruder erfährt Emma von einem ziemlich schockierenden Video im Internet, in dem es scheint, als würde ein junges Mädchen vor laufender Kamera erwürgt. Und als wäre dies allein nicht schon krass genug, gibt es noch eine große Besonderheit an diesem merkwürdigen Video: Das Mädchen, das vor laufender Kamera getötet zu werden scheint, sieht aus wie Emma!

Emma kommt schließlich auf eine unfassbare Idee: Könnte es womöglich sein, dass sie eine Zwillingsschwester hat, von der sie nie etwas geahnt hat? Wurde diese direkt nach der Geburt von ihr getrennt? Und falls ja: Was hat es dann mit diesem schrägen Video auf sich? War das vielleicht nur ein makabrer Scherz? Emma startet eine Recherche auf Facebook und es soll nicht lange dauern, bis sie schließlich wirklich auf das Facebookprofil von Sutton Mercer stößt, Emmas Zwillingsschwester, die bei einer reichen und liebevollen Familie in einer Kleinstadt in Phoenix lebt. Emma nimmt sofort Kontakt zu ihrer Schwester auf. Sutton reagiert begeistert auf Emmas Nachricht und lädt sie zu sich nach Phoenix ein: Schließlich muss dieses unverhoffte und unerwartete Wiedersehen der beiden Schwestern gefeiert werden. Könnte dies also der Beginn des Familienlebens sein, das sich Emma immer so sehr gewünscht hat?

Emma setzt sich in den Bus und ist kurz darauf in der Heimatstadt von Sutton angekommen. Doch Sutton erscheint nicht am ausgemachten Treffpunkt. Stattdessen erhält Emma eine zutiefst verstörende und beunruhigende Nachricht: Sutton sei tot und Emma müsse nun Suttons Rolle übernehmen, wenn sie nicht ebenfalls sterben wolle. Nun bleibt Emma keine andere Wahl, als Suttons Leben zu übernehmen, denn niemand glaubt ihr, als sie erste Versuche unternimmt, ihre Situation zu erklären. Und nun gibt es genau zwei Personen, die wissen, dass Sutton nicht mehr lebt und von ihrer Schwester „gespielt“ wird: Emma und Suttons Mörder.

Emma macht sich daraufhin daran, selbstständig zu ermitteln, wer ihre Schwester getötet hat. Bald merkt sie, dass Sutton zwar zu den beliebtesten, aber auch zu den gefürchtetesten Mädchen der Highschool gehört hat und somit gibt es viele, die ein Motiv hätten, Sutton zu töten…

AUFBAU DES BUCHES UND MEINE MEINUNG

Gleich zu Beginn des Buches wartet die Geschichte im Hinblick auf die Erzählperspektive mit einer Überraschung auf. Denn: Zusätzlich zu Emmas Erzählperspektive, bei der es sich um einen auktorialen Erzähler in der dritten Person Singular handelt, kommt eine weitere Erzählperspektive als Ich-Erzähler dazu. Auch, wenn ich hierzu nicht mehr sagen möchte, um euch nicht zu spoilern, muss ich sagen, dass ich diesen Kniff in der Erzählweise superspannend und gelungen fand! Beide Perspektiven ergänzen sich großartig miteinander und ermöglichen uns als Leser manchmal Einblicke in die Zusammenhänge der Geschichte, die die Protagonistin Emma erstmal nicht haben kann.

Mir hat es unheimlich gut gefallen, wie ich als Leserin gemeinsam mit Emma immer mehr in Suttons Leben eintauchen und Stück für Stück mehr über sie und ihr Umfeld erfahren konnte. Dass das ganze selbstverständlich nicht sonderlich realistisch ist, ist denke ich klar (sowas stört mich bei Sara Shepard aber zugegebenermaßen auch nicht sonderlich). Wie in allen Büchern von Sara Shepard spielt auch die LYING GAME-Reihe wieder in recht elitären, wohlhabenden Kreisen der amerikanischen Oberschicht, in denen die Charaktere ziemlich luxuriöse Leben führen (ein Aspekt, der mit Emmas Erfahrungen kollidiert, die in ihrem bisherigen Leben unter ärmlichen Bedingungen von Pflegefamilie zu Pflegefamilie gegeben wurde – ein Teil der Geschichte, den ich sehr spannend zu beobachten fand).

Und wie immer wartet Sara Shepard wieder mit so mancher Wendung und so manchem Geheimnis auf, eigentlich so, wie es typisch für ihre Romane ist.

Was man der LYING GAME-Reihe allerdings anmerkt, ist die Tatsache, dass diese auf insgesamt sechs Bände ausgelegt ist und auch dementsprechend geplant und geschrieben wurde. Will heißen: Im Gegensatz zu anderen Büchern und Reihen von Sara Shepard ist das Erzähltempo dieser Bücher doch eher als gemächlich und langsam zu bezeichnen. Alles in allem lässt sich Sara Shepard in der LYING GAME-Reihe viel mehr Zeit, ihre Handlung voranzutreiben. Das sonst so atemlose Erzähltempo mit zahlreichen Wendungen und Ereignissen, die sich ständig zu überschlagen scheinen, sucht man hier doch eher vergeblich. Das fand ich persönlich zwar verständlich, aber auch zugegebenermaßen etwas schade, da ich Sara Shepard für ihr großes Talent, den Leser vom einen spannungsgeladenen Wendepunkt zum nächsten zu schicken, sehr schätze. Dies hat mir hier gefehlt.

Alles in allem muss ich sagen, dass ich die LYING GAME-Reihe sehr gern gelesen habe. Sowohl der Grundgedanke der Geschichte, als auch der Aufbau, die Charaktere und die Geheimnisse, die die Figuren miteinander verbinden, fand ich in den ersten drei Bänden sehr gelungen. Ich habe mich einfach sehr gerne in der Welt dieser Bücher aufgehalten und fand die Unterschiedlichkeit zwischen Emma und Sutton als Persönlichkeiten zwar nicht realistisch, aber dennoch sehr unterhaltsam zu lesen. Auch, wenn ich die Reihe definitiv fertiglesen werde (Band 4 befindet sich bereits auf meinem Kindle), muss ich aber dennoch anmerken, dass mir aufgrund des gemächlicheren Erzählstils und des zurückgenommenen Tempos (das auch mal für einige Längen sorgen kann, was ich sonst von Sara Shepard nicht kenne), das eigentlich sonst typische Page-Turner-Gefühl leider fehlt.

Wenn ihr gerne Young-Adult-Romane lest, die in Richtung von Pretty Little Liars gehen und Aspekte wie Crime und Mystery mit leicht verdaulichen Teenager-Geschichten verbinden, dann könnte euch die LYING GAME-Reihe wirklich gefallen!

Die Bücher sind bei cbt erschienen und haben jeweils um die 320 Seiten.

„Passagier 23“ von Sebastian Fitzek

Cover „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek

Es mag unglaublich erscheinen, aber das hier war tatsächlich mein „erster Fitzek“. Auch, wenn gefühlt JEDER schonmal was von Sebastian Fitzek gelesen hat, hatte ich hier bisher noch eine große Bildungslücke. Ich hab schon so viel von ihm gehört, von begeisterten Fans, die stundenlang für ein Autogramm von ihm anstehen und von Kritikern, die seine Bücher nichtmal mit der Kneifzange anfassen würden. Alles in allem scheint Sebastian Fitzek für seine Fans aber ein absoluter Knaller zu sein und sein Erfolg, der ihn schon lange als absoluten Bestseller-Garant auszeichnet, scheint ihm recht zu geben. Ich war jedenfalls unheimlich neugierig, wie ich die Bücher von Sebastian Fitzek finden würde und habe mich nach einiger Recherche für „Passagier 23“ entschieden, da mich der Gedanke sehr fasziniert, dass dieser Psychothriller auf so begrenztem Raum spielt.

INHALT

Der Polizeipsychologe Dr. Martin Schwartz ist seit fünf Jahren ein komplettes psychisches Wrack. Denn vor fünf Jahren verlor er seine Frau Nadja und seinen Sohn Timmy, als die beiden einen extrem rätselhaften Tod an Bord des Luxuskreuzfahrtschiffs „Sultan of the Seas“ starben. Martin weiß bis heute nicht genau, was damals wirklich geschehen ist, da er zu diesem Zeitpunkt in einem Undercover-Einsatz der Polizei unterwegs war und seine Familie nicht auf Kreuzfahrt begleiten konnte. Wie es scheint, hat seine Frau Nadja an Bord des Luxusschiffs sogenannten erweiterten Suizid begangen – hat also nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem kleinen Sohn Timmy das Leben genommen, in dem beide absichtlich über Bord gingen – so lautet zumindest die offizielle Erklärung der Reederei, der Martin bis heute nicht glauben kann.

Seit dem Tod seiner Frau und seines Sohnes sieht Martin keinen Sinn in seiner Existenz mehr. Er geistert von einem hochriskanten Spezialpolizeieinsatz zum nächsten und scheint sich aufgegeben zu haben…

…Bis er eines Tages einen rätselhaften Anruf einer älteren Dame erhält, die ihm erzählt, sie sei Thriller-Autorin und habe neue Hinweise zu Timmys Verschwinden an Bord der Sultan of the Seas. Sie fordert Martin auf, sich schnellstmöglich an Bord der Sultan of the Seas zu begeben, da sich dort etwas Unglaubliches ereignet hat: Die vierzehnjährige Anouk ist gemeinsam mit ihrer Mutter vor einigen Wochen ebenfalls von Bord des Kreuzfahrtschiffs verschwunden – doch nun ist sie überraschend wieder aufgetaucht. Und bei ihrer Rückkehr hat sie den Teddy von Martins Sohn Timmy bei sich…

Martin Schwartz muss seinem schlimmsten Alptraum ins Auge sehen und begibt sich an Bord des Luxuskreuzfahrtschiffs und versucht herauszufinden, was damals wirklich mit seiner Frau und seinem Sohn geschehen ist.

MEINE MEINUNG

Ich muss sagen, dass ich echt viel Spaß beim Lesen von „Passagier 23“ hatte. Auch, wenn ich den Prolog (der irgendwie erst ganz zum Schluss im Epilog wieder aufgegriffen wird) zunächst eher ziemlich abstoßend fand, da ich das Gefühl hatte, dass es hier eher um Effekthascherei mit einer besonders brutalen, blutigen und gestörten Szene ging, habe ich doch dann schließlich sehr gut ins Buch reingefunden.

Obwohl ich den Protagonisten Martin Schwartz grundsätzlich echt gerne durch das Buch begleitet habe und mich immer dafür interessiert habe, wie es mit ihm und seinem Aufenthalt auf der „Sultan of the Seas“ weitergeht, muss ich aber hier einen Kritikpunkt anbringen:

Es schien mir, als seien so ziemlich alle Charaktere dieses Buches so hoffnungslos überzeichnet, dass sie mir teilweise fast wie Karikaturen oder totale Stereotype vorkamen. Grundsätzlich scheint Sebastian Fitzek etwas zur Übertreibung zu neigen, sodass ich mich öfters fragte: „Eine Nummer kleiner hattest du es nicht?“ – Da reicht es beispielsweise nicht, dass die verschwundene und wieder aufgetauchte Anouk ein ziemlich intelligentes Mädchen ist – nein, sie ist sogar höchstbegabt und beherrscht mehrere Sprachen und gilt als absolutes Genie. Und der Protagonist Martin Schwartz ist nicht einfach nur psychisch extremst belastet – er spritzt sich selber sogar HIV-Antikörper, zieht sich selbst einen Schneidezahn mit einer Zange, die er mal eben aus der Tasche zieht und lässt sich eine Tätowierung stechen – nur, um für einen Undercover-Einsatz optimal vorbereitet und unter den heimlich überwachten Kriminellen glaubwürdig zu sein. Das ist zwar eine extrem „aufopfernde“ und lebensmüde anmutende Verhaltensweise – ich fand es nur etwas „über’s Ziel hinaus“ und sehr übertrieben.

Generell hat man wahrscheinlich mehr von einem Fitzek-Thriller, wenn man seinen Drang zu hinterfragen, wie realistisch das ganze überhaupt sein kann, am Anfang des Buches abgibt. Ich bin der Meinung, dass man dieses Buch nicht sonderlich mögen wird, wenn man sich die ganze Zeit überlegt, wie und ob so etwas in Realität überhaupt funktionieren würde. Ich denke, dass man sich mit der Prämisse, dass Sebastian Fitzek die Realität bis ins Extreme dehnt, anfreunden können muss, um seinen Thriller „Passagier 23“ genießen zu können. Ich bin irgendwann recht gut damit klargekommen, dass man das ganze in seiner realitätsnahen Machbarkeit einfach nicht hinterfragen darf – und genau an dieser Stelle wartet dann der Lesespaß auf einen!

Ich muss wirklich sagen, dass mich dieser Psychothriller wirklich super unterhalten hat. Das ganze mag natürlich keine große, bedeutsame Literatur sein, aber das behauptet ja auch niemand. Hier handelt es sich um typische Unterhaltung für zwischendurch. Und dementsprechend sollte wahrscheinlich auch die eigene Erwartungshaltung sein. Die Geschichte fand ich spannend und interessant und tatsächlich auch nicht zu vorhersehbar, sodass ich das ein oder andere Mal auch echt überrascht war von dem, was Sebastian Fitzek alles an Wendungen aus dem Hut zaubert. So endet fast jedes Kapitel mit einem Cliffhanger, der ganz automatisch dafür sorgt, dass man unbedingt weiterlesen und erfahren möchte, wie es weitergeht. Manche Menschen (vor allem Fitzeks Kritiker) empfinden diese Cliffhanger-Technik am Ende eines jeden Kapitels vielleicht als billigen Taschenspielertrick – ich muss aber sagen, dass ich persönlich solche Cliffhanger ganz cool finde. Für mich persönlich wurde die Spannung so gesteigert und aufrechterhalten, genauso wie mein Lesespaß. Ob man sowas mag, oder nicht, ist denke ich total individuell und jede Sichtweise ist hier absolut legitim. Ich mochte Sebastian Fitzeks Art zu plotten und seine Geschichte aufzubauen wirklich gerne.

Die Auflösung am Ende fand ich recht gelungen (wobei ich im Hinblick auf den Epilog bis jetzt noch etwas gespalten bin), wenn ich auch den Teil, der dann in der dominikanischen Republik spielt (und der noch einige Erklärungen liefert), teilweise nicht mehr ganz logisch fand. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch am Ende sehr zufrieden und sehr gut unterhalten beendet.

Wenn ihr gerne Psychothriller lest und euch das Setting eines Luxuskreuzfahrtschiffs interessiert, wo gekonnt mit der luxuriösen Urlaubsatmosphäre und einer tödlich-krankhaften-klaustrophobischen Stimmung auf der anderen Seite gespielt wird und ihr über recht unnatürliche Charaktere hinwegsehen könnt, dann kann ich euch „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek echt empfehlen.

Ich werde -wenn auch nach einer Pause- bestimmt noch weitere Bücher von Sebastian Fitzek lesen, wenn ich auf einen Klappentext stoße, der mich interessiert.

Das Buch ist bei Knaur erschienen und hat 432 Seiten.

Das war’s auch schon mit meinem Lesemonat für den September. Habt ihr schon was von den genannten Büchern gelesen? Oder stehen diese vielleicht auf euren Wunschlisten? Wenn ja, was denkt ihr denn über die Bücher? Ich freue mich sehr über den Austausch in den Kommentaren mit euch!

Ansonsten freue ich mich auch wie verrückt, wenn ihr auf meinem Podcast „Seitengeraschel“ vorbeischaut und reinhört. Ihr findet diesen auf Spotify, iTunes, Podimo oder auch sonst überall, wo es Podcasts gibt!

Bis bald und alles Liebe,

Christina 🙂

Werbung wegen Markennennung. Ich habe alle Bücher von meinem eigenen Geld bezahlt und erhalte für die Rezensionen keinerlei Vergütung.