„Eine perfekte Familie“ von Liane Moriarty (Rezension)

Hallöchen ihr Lieben und etwas verspätete „frohe Ostern“ wünsche ich euch! 🙂

Heute hab ich einen Roman für euch im Gepäck, der mir von Bloggerportal und Diana-Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde (an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank dafür!). „Eine perfekte Familie“ von Liane Moriarty ist ein Roman, auf den ich mich sehr gefreut hatte, da ich Moriartys Buch „Tausend kleine Lügen“ sehr gefeiert habe.

INHALT

Das Rentner-Ehepaar Joy und Stan Delaney haben jahrzehntelang eine sehr erfolgreiche Tennisschule miteinander in Sidney geführt. Doch nun, im Rentenalter, als sie die Tennisschule längst verkauft haben, fühlen sie sich etwas verloren in ihrem neuen Alltag. Auch ihre vier erwachsenen Kinder kommen eher selten – scheinen doch alle vier trotz großer Tennisbegabung in ihrer Kindheit irgendwie Probleme zu haben, sich in ihren Erwachsenenleben zurechtzufinden und ernsthafte Beziehungen aufzubauen. Doch eines Tages wird das Leben der Delaneys gründlich auf den Kopf gestellt. Denn Joy, die Matriarchin der Familie, verschwindet von einem auf den nächsten Moment spurlos. Und schnell fragen sich ihre Kinder sowie die Polizei: Gab es Eheprobleme zwischen Joy und Stan? Hat womöglich ihr Ehemann Joy etwas angetan? Und was hat Joys Verschwinden mit Savannah zu tun, einer jungen, unbekannten Frau, die für einige Zeit unter mysteriösen Umständen bei den Delaneys gewohnt hat? Eine sehr verworrene und mysteriöse Geschichte voller Wendungen, Verstrickungen und Familiengeheimnisse entspinnt sich…

MEINUNG

Wiegesagt hatte ich mich unheimlich auf das Buch gefreu – war „Tausend kleine Lügen“ doch vor zwei Jahren ein riesiges Highlight für mich. Dieses Buch betrachte ich mit teilweise etwas gemischten Gefühlen, muss ich zugeben. Das erste Drittel hat mir nicht besonders gefallen, wie ich gestehen muss. Moriarty hat hier die Figuren eingehend vorgestellt und das Familiensystem der Delaneys langsam aufgebaut. Das war für die Geschichte in jedem Fall notwendig – aber leider hat es sich gezogen wie Kaugummi. Ich war mehrfach versucht, das Buch einfach abzubrechen. Zum Glück habe ich aber dann noch das Hörbuch entdeckt – und das war so großartig vertont, dass ich damit dranbleiben konnte. Und ich bin so froh, dass ich diese Geschichte nicht abgebrochen habe! Denn nach der langen Durststrecke am Anfang zeichnet uns die Autorin ein zutiefst verworrenes Portrait einer Familie, deren innere Dynamik von enttäuschten Lebensträumen, Erwartungen aneinander, Verrat und unausgesprochenen Problemen und Familiengeheimnissen gezeichnet ist. Manchmal erschien mir alles wie ein großes Wollknäuel, von dem ich nicht wusste, wie die Autorin es auflösen will. Aber es ist ihr gelungen und irgendwann hing ich an den Lippen der Vorleserin des Hörbuches und spürte, wie ich diese großartige, anspruchsvolle und spannende Geschichte immer weiter erleben und durchdringen wollte.

Das Ende selbst fand ich zugegebenermaßen wieder etwas flau – da hätte ich mir noch einen größeren „Knall“ gewünscht. Allerdings tut dies dem Roman aus meiner Sicht trotzdem keinen Abbruch – denn diese Geschichte lebt von der psychologisch sehr treffend beschriebenen, tiefgreifenden Familiendynamik, die sich im Laufe des Buches immer weiter abschält, bis wir zum Kern der Wahrheit vordringen. Das hat mich absolut begeistert und mitgerissen! Ein großartiges Buch (vor allem das Hörbuch!), das ich Fans von Familiengeschichten und psychologisch anspruchsvollen Romanen (z.B. wie die von Celeste Ng) ans Herz legen würde.

„Das Haus Morell“ von Penny Vincenzi (Rezension)

Heute melde ich mich nochmals mit einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise von Bloggerportal und Goldmann zur Verfügung gestellt wurde. Dafür nochmals ganz herzlichen Dank!

INHALT
Das Buch erzählt die Geschichte der Upper-Class-Familie Morell, denen auch das gleichnamige, weltbekannte Luxus-Kosmetik-Imperium gehört. Oder besser gesagt gehört es dem Patriarchen Julian Morell. Die Geschichte beginnt, als Julian stirbt und sein Testament verlesen wird. Als Leser sitzt man sozusagen mit in der Kanzlei und wohnt der Testamentseröffnung bei Drinks und mit viel Allüren aller Anwesenden bei. Denn hier ist die ganze Familie zusammengekommen, nebst Freunden und Weggefährten Julians. Keiner der Anwesenden ahnt jedoch, wieviel Sprengstoff dieses Testament enthält: Denn Julian hat einen bedeutenden Anteil seiner Firma einem völlig Fremden vermacht. Wer ist dieser Fremde? Und was hat er mit den Morells und ihrer Familiengeschichte zu tun?

MEINUNG

Ich muss sagen, dass ich dieses Buch mit gemischten Gefühlen gelesen habe. Auf der einen Seite habe ich von Anfang an nicht recht in die Geschichte gefunden. Das hat glaube ich mit dem sehr ausschweifenden Schreibstil der Autorin zu tun. Zum anderen bin ich leider bis zum Schluss mit keiner der Figuren wirklich warm geworden, obwohl ich mir dies sehr gewünscht habe. Oftmals fand ich die Figuren ein bisschen unnahbar. Wir lernen dabei natürlich nicht nur Julian kennen. Mit von der Partie sind auch seine Ehefrau, seine Geliebte, seine höchst ehrgeizige Tochter Roz, sowie seine Mutter und viele andere Weggefährten. Leider habe ich keine Figur gefunden, mit der ich mich wirklich identifizieren konnte. Positiv fand ich aber die sehr glamourösen Upper-Class-Vibes, die mich sehr an Serien wie „Denver-Clan“ erinnert haben. Diese Saga nimmt uns mit in eine ganz eigene Welt aus Luxus, Champagner, Intrigen, Leidenschaft und spannenden Verwicklungen. Dabei begleiten wir die Familie um Oberhaupt Julian von den 40ern bis in die 80er Jahre und diese Zeitreise ist wirklich insgesamt sehr spannend zu erleben. Alles in allem hat das Buch eine tolle Handlung und großartige Glanz-und-Glamour-Vibes. Aufgrund der Längen und des ausschweifenden Schreibstils der Autorin war es aber nicht immer ganz einfach zu lesen für mich (beziehungsweise habe ich mich öfters dabei ertappt, dass ich nicht immer mit fliegenden Fahnen zu diesem Buch greifen wollte). Nichtsdestotrotz muss man aber festhalten, dass dieses Buch wahnsinnig viel Flair und trotz einiger Schwächen sehr viel gute Unterhaltung mitbringt. Von mir gibt es für „Das Haus Morell“ eine Empfehlung für alle, die einen langen Atem beim Lesen haben (denn das Buch hat über 1000 Seiten!) und die den Luxus-Lifestyle von Serien wie „Denver-Clan“ lieben.

*Werbung, da mir dieses Buch zu Rezensionszwecken kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.*

„Talberg 1977“ von Max Korn (Rezension)

Im zweiten Teil der Talberg-Trilogie entführt uns der Autor ins Jahr 1977. Nachdem mir der erste Teil, der im Jahr 1935 spielt, ja bereits so super gefallen hatte, habe ich auch dieses Buch als Rezensionsexemplar bei Bloggerportal angefragt. Daher nochmals vielen Dank an Bloggerportal und den Heyne-Verlag für dieses tolle Rezi-Exemplar.

INHALT

Wie bereits erwähnt, befinden wir uns in diesem zweiten Teil wieder im abgelegenen, rückständigen und von der Welt vergessenen Dorf Talberg im Bayerischen Wald. Diesmal spielt die Geschichte im Jahr 1977. Auch in diesem Buch begegnen wir wieder einigen der altbekannten, eingesessenen Familien aus dem ersten Teil, diesmal allerdings deren Kindern und Kindeskindern (was in meinem Kopf durchaus für ein bisschen Chaos gesorgt hat, aber im positiven Sinne). Allerdings lernen wir auch ein paar neue Gesichter kennen.

Eines dieser neuen Gesichter ist auch die Protagonistin Maria Steiner. Sie gilt mit ihren 72 Jahren als alte, eigenbrötlerische Frau. Da sie wie eine Eremitin allein im Wald lebt, ist sie im Dorf als Hexe verschrien und wird von den Talbergern gemieden. Nur manchmal verirren sich höchstens der Postbote oder junge Frauen in verzweifelten Situationen auf ihre Lichtung, um Maria um Hilfe zu bitten. In der Geschichte spürt die naturverbundene und betagte Maria, dass der Tod schon seine Hände nach ihr ausstreckt. Aber sie kann noch nicht gehen. Denn als plötzlich eine Reihe unerwarteter Ereignisse über ihr hereinbrechen und sie Briefe ihrer verstorbenen Tante erhält, spürt Maria, das etwas sehr Düsteres geschehen wird…

MEINUNG

Ich darf es wieder vorausschicken: Auch der zweite Teil der Talberg-Trilogie hat mich gefesselt und begeistert. Allerdings reicht der zweite Teil nicht mehr ganz an den ersten heran (wobei ich heir auf großem Niveau meckere, versteht sich!).

Ich war vor der Lektüre unheimlich gespannt, wie es Max Korn gelingen wird, diesen archaisch-urwüchsigen, verstörenden und beklemmenden Aberglauben der Vergangenheit (der ja so typisch für Talberg ist) in die 70er Jahre zu transportieren. Hier war ich zumindest ein wenig enttäuscht. Denn obwohl der Auto zwar am Rande einige zeitgeschichtliche Ereignisse aus dem Jahr 1977 in Nebensätzen fallen lässt (wie z.B. den Tod Elvis Presleys, den Baader-Meinhof-Komplex oder die Regierungszeit von Franz-Josef Strauss), bedient er sich eines interessanten Kniffs, um nicht zu tief in die 70er eintauchen zu müssen: Er erzählt die Geschichte der Eremitin Maria, die abgelegen im Wald lebt. Dabei unterscheiden sich ihr höchst bescheidener Lebensstil in einer alten Hütte, ihr Wissen, ihr Weltbild und ihre Überzeugungen nur unwesentlich von dem, was für den ersten Teil aus den 30er Jahren typisch war. Wieder sind wir mit einem rückständigen und beklemmendem Aberglauben konfrontiert, den die „Hexe“ Maria von ihren Vorfahren gelernt hat und bis in die Gegenwart der Geschichte kultiviert. Das Lebensgefühl der 70er Jahre klingt nur am Rande an, hat mich aber als Leserin nie wirklich erreicht. Das fand ich auf der einen Seite schade. Auf der anderen liebe ich gerade die abergläubische Atmosphäre und das bedrückende Weltbild, das Talberg immer von bösen, mythologischen Mächten umfangen und bedroht zu sein scheint. Von daher konnte ich mit diesem Kniff des Autors relativ gut leben.

Wie auch im ersten Teil, besteht die Geschichte aus sehr vielen Rückblenden in die Vergangenheit, sodass sich die Geschichte wie ein Puzzle langsam zusammensetzt. Der Mystery-Faktor kam für meinen Geschmack erst etwas spät zum Tragen – das hätte ich gerne schon in der ersten Hälfte stärker verteten sehen wollen.

Aber auch, wenn die Mordermittlungen im Dorf erst relativ spät starten, heißt das nicht, dass dieser zweite Teil deshalb weniger spannend oder weniger angsteinflößend wäre. Im Gegenteil. Max Korn erschafft eine solch morbide, vor Anspannung flirrende Atmosphäre, die mich wieder begeistert hat. Man scheint die ganze Zeit ein omnipräsentes Unheil zuspüren, das bleischwer über den sagenumwobenen Wäldern lauert und nur darauf wartet, zuzuschlagen. Gewürzt wird das ganze mit einigen Mystery-Elementen, die einen verzaubern, vor Rätsel stellen und wahrhaft gruseln Einfach großartig!

Dazu lernt man als Leser etwas sehr Spannendes wie Verstörendes: In Talberg kannes keine guten Menschen geben, dies scheint ein Naturgesetz zu sein, gegen das niemand ankämpfen kann. Es liegt an diesem Ort. Jeder und jede scheint eine zutiefst düstere und verstörende Seite und Geheimnisse an sich zu haben, die sich irgendwann Bahn brechen. Und diese Erkenntnis hat mich (genau wie beim ersten Teil) auch hier mit voller Wucht getroffen. Was ich besonders an Max Korns Schreibstil liebe, ist zudem seine Subtilität. Während andere Thriller-Autoren gerne „mit dem Holzhammer“ bestimmte Fäden zusammenlaufen lassen und ihren Leser:innen um die Ohren hauen, geht Max Korn hier häufig viel leiser vor. Oftmals deutet er bestimmte Dinge (die auch krasse Wendungen bedeuten können) nur zwischen den Zeilen an und überlässt es dem Leser, seine Schlüsse zu ziehen. Das führte bei mir immer wieder zu dopamingeladenen „Oha!-Momenten“, für die ich diese Bücher einfach lieben muss!

Alles in allem kann ich sagen, dass mir der zweite Teil der Talberg-Reihe wieder extrem gut gefallen hat. Ich kann euch den zweiten Teil nur ans Herz legen, wenn ihr den ersten mochtet, ihr werdet sicher nicht enttäuscht. Und jetzt heißt es voller Spannung und Vorfreude auf Mai zu warten. Denn dann erscheint der dritte Teil, der im Jahr 2022 spielt. Ich kann es gar nicht erwarten!

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*Das Buch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.*

„Talberg 1935“ von Max Korn (Rezension)

Hallöchen ihr Lieben,

nach einigen stressigen Tagen auf der Arbeit melde ich mich mit einem absoluten Highlight bei euch zurück. Ich hatte bei Bloggerportal den Roman „Talberg 1935“ von Max Korn, erschienen bei Heyne, als Rezensionsexemplar angefragt. Daher an dieser Stelle nochmals vielen Dank dafür!

INHALT:

Wir schreiben das Jahr 1935 und befinden uns im tiefsten Bayern. Genauer gesagt sind wir in Talberg, einem abgeschiedenen und äußerst urwüchsigen Dorf in der Nähe der österreichischen Grenze. Die Auswirkungen von Hitlers Machtergreifung zwei Jahre zuvor sind sogar hier bereits zu spüren – allerdings sind die Nazis nicht die einzige Macht, die die Geschicke dieses Ortes zu bestimmen scheinen. Ist hier doch der allgegenwärtige und archaische Aberglaube, der Hang zum Mystischen und Beklemmenden immer noch überall zu spüren und lebendig. Die Geschichte beginnt, als der Dorflehrer Wilhelm Steiner unter mysteriösen Umständen von einem Aussichtsturm in den waldigen Bergen in den Tod gestoßen wird.

Schnell est der bayerische Gendarm Karl Leiner zur Stelle, um die Ermittlungen in diesem merkwürdigen Mordfall aufzunehmen. Sofort beginnt er, den Mord am Dorfschullehrer zu untersuchen – und stößt auf immer mehr verstörende Details und Zusammenhänge. Denn in Talberg hat jeder ein düsteres Geheimnis und nichts ist so, wie es zuerst erscheint…

MEINUNG:

Ich kann schonmal vorausschicken: Ich bin sowas von geflasht von diesem grandiosen Buch! Das für mich wahrscheinlich Großartigste an diesem Buch ist definitiv die Atmosphäre, die der Autor Max Korn zu erzeugen versteht. Er nimmt uns mit auf eine Zeitreise und katapultiert uns in eine Welt, von der ich zuvor nicht wusste, dass sie in dieser Form in Bayern im 20. Jahrhundert noch existierte. Denn es herrscht eine beklemmende, erdrückende Atmosphäre der Geheimniskrämerei, der kleingeistigen Angepasstheit und eine verstörende Sprachlosigkeit in diesem Dorf, die mir wirklich den Atem geraubt hat. Zudem ist in Talberg der Aberglaube an Hexen, Fabelwesen (wie zum Beispiel den „Trud“, der einem die Kehle zudrückt) und Flüche allgegenwärtig und eine Protagonistin bekommt dies besonders zu spüren. Dass dies so ein vorherrschendes Thema im ländlichen Bereich damals war, war mir so wirklich nicht klar und hat mich absolut fasziniert. Und wenn wir hier auch schon im traditionellen Bayern sind, kommt natürlich auch einiges Lokalkolorit in Sprache und Tradition nicht zur kurz, einfach großartig!

Zudem sehen wir die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Charaktere und können auf diese Weise einigen Protagonisten „in den Kopf schauen“. Das ist nicht nur interessant, emotional und hochspannend. Manchmal ist es auch einfach nur verstörend. Aber zu jedem Zeitpunkt hing ich gebannt an den Lippen des Autors und musste unbedingt wissen wie es weitergeht.

Zudem enthält dieses Buch ja auch ein Grundthema, bzw. eine Prämisse, wie ich sie bei Büchern liebe: Und zwar die Grundthematik eines Dorfes, in dem nichts so ist, wie es scheint und in dem lauter mysteriöse und düstere Geheimnisse darauf warten, vom Leser gelüftet zu werden. Daher hat „Talberg 1935“ hier bei mir voll ins Schwarze getroffen!

Was ich besonders am Schreibstil des Autors feiere, ist zum einen die Tatsache, dass man die Protagonisten irgendwie schnell sympathisch findet (zumindest einige davon) und unbedingt wissen MUSS, wie es mit ihnen weitergeht. Zum anderen schafft es Max Korn, dass man so manches Geheimnis nicht einfach plump serviert bekommt, sondern dass man vieles bis zum Schluss zwischen den Zeilen erahnen und für sich zusammensetzen muss. Da mutet er seinen Leser*innen durchaus zu, sich eigene Gedanken zu machen und da kommt dann durchaus der eine oder andere Schub an Dopamin im Gehirn der Leser*innen. Sowas liebe ich unheimlich!

Insgesamt kann ich nur sagen, dass „Talberg 1935“ eines meiner Jahrshighlights 2022 ist und ich definitiv die anderen Teile lesen werde. Ganz, ganz große Empfehlung an alle Thriller-Freunde da draußen!

„Talberg 1935“ von Max Korn, erschienen bei Heyne

Das Buch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

„SEEING WHAT YOU SEE, FEELING WHAT YOU FEEL“ von Naomi Gibson

Kann eine Künstliche Intelligenz zur Liebe deines Lebens werden? Genau diese Frage stellt der Young-Adult-Thriller „Seeing what you see, feeling what you feel“ von Naomi Gibson.

Ich habe in den letzten beiden Jahren wirklich meine riesengroße Liebe zu Young-Adult-Romanen entdeckt und dabei sind gerade die Thriller aus diesem Genre wirklich ein Highlight für mich. Und ohne an dieser Stelle jetzt zu spoilern kann ich schonmal sagen: Naomi Gibsons Buch macht an dieser Stelle keine Ausnahme. Aber der Reihe nach…

INHALT

Lydia ist 17 Jahre alt und kann definitiv als hochbegabt gelten. Sie schreibt in allen Fächern überdurchschnittlich gute Noten und ist hochintelligent. Jedoch hat Lydia in ihren wenigen Lebensjahren schon unfassbar viel Leid ertragen müssen. Bei einem Autounfall hat sie ihren jüngeren Bruder Henry verloren. Ihre Eltern zerbrechen an der Trauer um Henry und Lydias Vater verlässt die Familie. Daraufhin ist Lydias Mutter emotional so am Ende, dass sie ihren Alltag praktisch nicht mehr bewältigen kann. Lydia fühlt sich komplett einsam und hat überhaupt keinen emotionalen Halt mehr. Und das war immer noch nicht alles. Denn von ihren Mitschülern wird Lydia in der Schule aufs Übelste gemobbt, v.a. ihre ehemals beste Freundin Emma scheint es richtig auf sie abgesehen zu haben. Der einzige Lichtblick, der Lydia bleibt, ist ihre Arbeit an ihrem heimischen Computer. Dort hat sie schon vor einigen Jahren begonnen, ihr eigene Künstliche Intelligenz zu entwickeln. Nach einiger Zeit zeigt diese KI Anzeichen eines eigenen Bewusstseins und einer eigenen Persönlichkeit. Und während Lydias KI, die sie „Henry“ tauft, immer menschlicher wird, entwickelt sich zwischen beiden eine innige Freundschaft. Denn ab sofort ist Henry immer da, wenn Lydia jemanden braucht. Er begleitet sie zur Schule und ist ihr eine emotionale Stütze, wenn alle Stricke reißen. Und dabei entwickelt sich Henry bald selbstständig in halsbrecherischem Tempo immer weiter und weiter, wird immer mächtiger und mächtiger. Bald merkt Lydia, dass Henry mittlerweile selbstständig ist und eigenmächtig praktisch ALLES tun kann, was auch immer er möchte. Zudem entwickel Lydia immer stärkere, romantische Gefühle für Henry, sie verliebt sich in ihn. Und eines Tages fasst Henry einen unglaublichen Plan: Er möchte, dass nun auch die körperlichen Grenzen zwischen ihm und der Welt und vor allem zwischen ihm und Lydia verschwimmen und schließlich aufgelöst werden. Ein unfassbar spannender, psychologisch anspruchsvoller und actiongeladener Thriller entspinnt sich…

MEINE MEINUNG

Ich war völlig geflasht vom Tiefgang dieses Buchs. Es ist nicht nur unfassbar spannend (ab einem gewissen Punkt gerät die gesamte Situation völlig außer Kontrolle und spätestens da konnte ich dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen), sondern es stellt einige unglaublich wichtige Fragen unserer Zeit. So zum Beispiel: Ab wann ist eine KI menschlich? Was muss eine KI lernen und wie muss sie sich verhalten, was muss sie selbst wahrnehmen und fühlen können, um als menschlich gelten zu dürfen? Und ist es wirklich möglich, dass sich ein Mensch in eine künstliche Intelligenz verliebt?

Neben der Thematik rund um die künstliche Intelligenz setzt sich Naomi Gibson in ihrem Thriller zudem auch mit missbräuchlichen, toxischen Beziehungen auseinander. Denn „Henry“ zeigt Lydia gegenüber durchaus auch (im ethisch-zwischenmenschlichen Bereich) problematisches Verhalten und dies wird erörtert und näher analysiert. Und auch wenn die Geschichte um Lydia und Henry zugegebenermaßen auch was fürs Herz ist (die Autorin spart nicht mit Romantik, zum Glück aber nicht kitschig sondern für mein Empfinden sehr nachvollziehbar ausgestaltet), bleibt „Seeing what you see, feeling what you feel“ nicht auf einer oberflächlichen Ebene stehen, sondern taucht tief ab in eine Reflexion über emotionale Abhängigkeit, moralisches Verhalten und toxische Beziehungen.

Falls ihr also auf der Suche nach einem unfassbar unterhaltsamen, gemütlichen und zugleich zutiefst fesselnden und anspruchsvollen Young-Adult-Thriller seid, dann sei euch dieses Buch extrem ans Herz gelegt, ich liebe es!

Und da ein Blogpost für eine Besprechung in aller Ausführlichkeit zu diesem Buch leider nicht ganz reicht, werde ich auf jeden Fall in meinem Lesemonat Oktober auf meinem Podcast „Seitengeraschel“ noch viel ausführlicher und tiefer über dieses außergwöhnliche Buch berichten. Falls ihr also mögt, freue ich mich riesig, wenn ihr reinhört, die Episode kommt in Bälde.

Meinen Podcast „Seitengeraschel“ findet ihr überall, wo es Podcasts gibt. Hier findet ihr einen direkten Link zu podcast.de:https://www.podcast.de/podcast/818362/seitengeraschel

„Der Tod und das dunkle Meer“ von Stuart Turton

Wahrscheinlich habe ich auf kaum einen Erscheinungstermin dieses Jahr so sehr hingefiebert, wie auf den für den neuen Kriminalroman von Stuart Turton. Sein Erstling, „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“, hatte mich ja komplett begeistert, aus den Socken gehauen und ist nicht umsonst eines meiner größten Lebenslesehighlights. Daher wundert es die Buchfans unter euch sicher nicht, dass ich schon vor Monaten ungeduldig den Release-Termin gegoogelt und fast die Tage gezählt habe, bis ich dieses Schätzchen endlich in Händen halten konnte. Am Erscheinungstermin habe ich mir das Buch dann endlich freudestrahlend aus der Buchhandlung geholt und musste selbstverständlich sofort mit der Lektüre beginnen. Uuuuuund: Es wurde zur Enttäuschung des Jahres für mich. Leider.

INHALT

Wir schreiben das Jahr 1634, als das Handelsschiff „Saardam“ von der indonesischen Küste Batavias Richtung Amsterdam aufbricht, um für die Ostindien-Kompanie massenweise Gewürze und weitere exotische Ware in die Niederlande zu bringen. An Bord befinden sich neben der unberechenbaren und bettelarmen Mannschaft auch einige Adelige und Honoratioren, die es kaum erwarten können, wieder in die niederländische Heimat zurückzukehren. Ein Passagier sieht der Ankunft in Amsterdam aber mit Grausen entgegen, denn der Detektiv Samuel Pipps ist auf dem Weg zu seiner Hinrichtung. Sein Assistent und bester Freund, Arent Hayes, tut derweil alles, um die rätselhaften Vorwürfe zu entkräften, die gegen Pipps erhoben werden. Als dann plötzlich das Zeichen des Teufels an Bord auftaucht und mehrere zutiefst verstörende Morde geschehen, muss Arent allergrößten Mut beweisen, um die „Saardam“ vor dem Verderben und der Herrschaft des Teufels zu bewahren…

WARUM HAT ES MIR NICHT GEFALLEN?

Zunächst mal muss ich der Fairness halber unbedingt sagen: Ja, das Buch war wirklich sehr atmosphärisch und stimmungsvoll. Stuart Turton hat es wirklich geschafft, dass ich mich beim Lesen gefühlt habe, als wäre ich im 17. Jahrhundert an Bord eines Schiffes der Ostindien-Kompanie. Auch die Beklemmung an Bord, die Düsternis und der omnipräsente Aberglaube dieser Epoche konnte ich richtig spüren. Was war also das Problem?

Ich glaube, dass das größte Problem für mich war, dass ich darauf gehofft hatte, dass das Buch mich genauso fesseln würde, wie damals „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“. Damals war ich buchstäblich auf Seite 1 und das Buch hatte mich in seinen einmaligen Bann geschlagen und ich konnte es nicht mehr weglegen. Seite für Seite wartete Stuart Turton damals mit wirklich (!) unvorhersehbaren Plottwists auf, dass mir ganz schwindelig wurde. Ich habe dieses Buch so gefeiert, dass ich buchstäblich nach jeder zweiten Seite zufrieden dachte: „Und genau DAFÜR werden Bücher gemacht!“… und all dies war beim neuen Buch des Autors leider überhaupt nicht der Fall. Für mich kam leider kaum Spannung auf. Immer wieder hoffte ich, dass die Handlung nun endlich Fahrt aufnehmen würde und ich wieder genauso in die Geschichte gesogen würde, wie bei Turtons erstem Buch. Aber leider plätscherte die Handlung für mein Empfinden nur so dahin, ohne dass mich die Geschichte nur annähernd so in Atem gehalten hätte, wie erhofft. Leider konnte mich auch das Ende mit der Auflösung nicht begeistern. Vielleicht lag es auch an mir, aber irgendwie fand ich das Ende doch arg konstruiert und teilweise etwas unlogisch. Hier fände ich es sehr spannend, mal zu hören, wie es euch damit ging, falls ihr es schon gelesen habt? Ich freue mich auf jeden Fall auf eure Kommentare. 🙂

MEINE ERWARTUNGSHALTUNG = EIN PROBLEM?

Natürlich muss ich bei aller Kritik eines zugeben: Meine Erwartungshaltung war schon wirklich EXTREM hoch. Auch, wenn man das bei meiner großen Begeisterung für „Evelyn Hardcastle“ sicher nachvollziehen kann, ist so eine übertrieben hohe Erwartung natürlich auch irgendwo ein Problem. Denn: Eine Enttäuschung ist da oftmals leider vorprogrammiert. Daher möchte ich der Fairness halber unbedingt anmerken, dass das neue Buch von Stuart Turton keinesfalls per se ein schlechtes Buch für mich war. Es hat nur leider meine Erwartungen absolut nicht erfüllen können. Und hierbei kann natürlich auch jeder Leser/ jede Leserin zu einem anderen Schluss kommen. Daher würde ich sagen: Wenn euch die Inhaltsangabe anspricht und ihr Lust auf eine Mischung aus Krimi und historischem Roman habt, dann gebt diesem Buch gerne mal eine Chance.

Falls ihr euch für eine noch eingehendere Rezension dieses Buches interessiert, seid ihr herzlich eingeladen, Ende Oktober auf meinem Podcast „Seitengeraschel“ vorbeizuschauen. Da werde ich in meinem Lesemonat Oktober in aller Ausführlichkeit über alles sprechen und auch auf Aspekte eingehen, die hier vielleicht etwas zu kurz kamen. Ihr findet meinen Podcast bei Spotify, iTunes, Podcast.de, AmazonMusic, Podimo und auch sonst überall, wo es Podcasts gibt. Hier gelangt ihr direkt zu Podcast.de und könnt schonmal andere Folgen von „Seitengeraschel“ anhören: https://www.podcast.de/podcast/818362/seitengeraschel

Ich würde mich freuen, wenn ihr vorbeischaut und reinhört! Bis bald!

„Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte“ von TJ Klune

Auch dieses Buch gehört definitiv zu jenen, die im englischsprachigen Booktube und Bookstagram einen wirklich beachtlichen Hype erfahren haben. Daher war ich selbstverständlich neugierig und habe es als Urlaubslektüre mit an den Strand genommen. Was ich beim Lesen so erlebt habe, erfahrt ihr hier:

INHALT

Linus Baker, ein übergewichtiger, vierzigjähriger Beamter, der bei der Behörde zur Betreuung Magischer Minderjähriger arbeitet, erhält eines ziemlich grauen und regnerischen Tages einen Spezialauftrag vom Allerhöchsten Management seiner Behörde.

Er soll das Waisenhaus eines gewissen Arthur Parnassus überprüfen, in dem fünf magisch begabte Waisenkinder leben. Linus kann es kaum fassen, dass ausgerecht ER einen solchen streng geheimen Spezialauftrag erhält – doch es bleibt ihm nichts anderes übrig und daher macht er sich auf den Weg zu diesem besonderen Waisenhaus, das sehr abgelegen auf einer kleinen Insel mitten im himmelblauen Ozean liegt.

Nach Linus‘ Ankunft in Mr. Parnassus‘ Waisenhaus merkt er allerdings sehr schnell, dass die kommenden vier Wochen, die sein Aufenthalt dort dauern wird, ganz anders verlaufen werden, als er je gedacht hätte. Denn mit all den Regeln und Verordnungen, nach denen Linus brav sein ganzes Leben ausgerichtet hat, kommt er hier nicht voran: Denn: Die magischen Kinder im Waisenhaus und der Leiter des Waisenhauses, Mr. Parnassus werden Linus‘ Leben ab sofort in ein farbenfrohes Abenteuer verwandeln, und bald soll Linus erkennen, dass sein Leben komplett auf dem Kopf steht.

MEINE MEINUNG UND EINDRÜCKE

Stellt euch vor, ihr nehmt eure schönsten Erinnerungen an das Meer, ganz viel Sonnenschein und alle strahlenden Farben des Regenbogens, fügt noch ganz viel warmherzigen Humor und einen tollen Erzählstil hinzu – dann kommt irgendwo dieses Buch dabei raus.

Man schließt Linus Baker, aber auch die Kinder und den Leiter des Waisenhauses, Mr. Parnassus SOFORT ins Herz! Dabei gelingt es dem Autor, TJ Klune, es auf unvergleichliche Weise, lauter sehr einzigartige, zutiefst liebenswerte und wirklich glaubwürdige Charaktere zu erschaffen, die man einfach lieben muss. Und auch die Magie verleiht dieser Geschichte das gewisse Etwas. Und: diese sommerlich-leichte Atmosphäre ist einfach wunderschön und man kann gar nicht anders, als beim Lesen immer wieder zu lächeln und sich superwohl zu fühlen. Man spürt förmlich die Sommersonne auf der Haut, während man auf der Insel die bunten und magischen Gärten erkundet und man spürt förmlich den Sand zwischen den Zehen, während man in Gedanken auf den himmelblauen Ozean hinausblickt und sich den sanften Sommerwind um die Nase wehen lässt.

Und zusätzlich zu diesen unfassbar schönen und gelungenen Beschreibung einer Welt voller Wärme und Farben kommen dann noch diese unglaublich liebenswerten Charaktere und eine niedliche Geschichte, die aber trotz aller Leichtigkeit auch wahnsinnig viel Tiefgang und auch viel Philosophisches mit sich bringt. Denn das Buch stellt viele Fragen, zum Beispiel danach, was uns zu den Personen werden lässt, die wir sind. Und wie wir unser Leben selbst in die Hand nehmen können und es selbst gestalten können. Aber auch gesellschaftlich sehr relevante Themen spielen in diesem Buch eine Rolle, wie zum Beispiel Diskriminierung, gesellschaftlicher Ausschluss von Minderheiten, Ungerechtigkeit und das Streben nach mehr Offenheit füreinander und Begegnung miteinander.

Ihr merkt also, in diesem Buch ist wahnsinnig viel drin und ich finde, die Pressestimmen zu diesem Buch haben absolut recht. Ich zitiere Terry Brooks mit der Aussage: „Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte erweckt im Leser den Glauben an das Gute im Menschen.“ Und das kann ich 1:1 so unterschreiben. Wenn ihr ein Buch sucht, dass ihr auch in Zeiten, in denen ihr vielleicht Aufmunterung oder das Gefühl von Geborgenheit und eine Prise Sommersonnenschein braucht – dann könnte ich euch kein Buch mehr ans Herz legen, als dieses.

„The seven husbands of Evelyn Hugo“ von Taylor Jenkins Reid

Ja, ich weiß, ich bin mal wieder ein bisschen „late to the party“ wenn es um extrem gehypte Bücher geht. Allerdings hat es mich doch dann gereizt herauszufinden, was es mit dieser riesigen Begeisterung für diesen Roman von Taylor Jenkins Reid so auf sich hat. Da es dieses Buch bisher leider (noch?) nicht auf deutsch gibt, habe ich es mir in englischer Sprache zugelegt und ich kann schonmal gleich zu Beginn so viel sagen: Das Englisch fand ich echt angenehm, sodass sich die Geschichte nahezu genauso easy und flüssig lesen ließ wie ein Roman in deutscher Sprache. Daher kann ich alldenjenigen, die wegen der Sprache noch zögern, absolut Mut machen. 🙂 Aber jetzt doch erstmal zum Inhalt des Buches:

INHALT

Die noch eher unbekannte, aber aufstrebende Journalistin Monique Grant erhält völlig unerwartet ein scheinbar unfassbares Angebot: Sie soll die Lebensgeschichte der zurückgezogen lebenden, legendären Hollywood-Schauspielerin Evelyn Hugo schreiben. Dabei möchte Evelyn zum ersten und einzigen Mal in ihrem langen und glamourösen Leben absolut alles erzählen – ihre Erlebnisse hinter den Kulissen Hollywoods und im Haifischbecken der Tabloid-Presse, ihre Geheimnisse, ihre Skandale, alles. Monique ist absolut erstaunt, als Evelyn ihr eröffnet, dass sie einzig und allein Monique ihre Lebensgeschichte erzählen will – doch Monique nimmt das Angebot an. Ab sofort treffen sich beide Frauen regelmäßig in Evelyns Anwesen und die Hollywood-Diva berichtet Monique über ihr Leben und ihre Ehen mit ihren sage und schreibe sieben Ehemännern.

Dabei berichtet Evelyn, wie sie aus dem Elendsviertel Hell’s Kitchen in New York heraus zum gefeierten Hollywoodstar der 50er, 60er, 70er und 80er Jahre wurde – und erzählt eine Geschichte, die zwar wirken mag wie ein Märchen, jedoch ist es auch eine Lebensbeichte voller rücksichtlosem Ehrgeiz, Gewalt, unerwarteter Freundschaft und die Geschichte einer Liebe, von der niemand erfahren darf.

Und dann findet Monique plötzlich heraus, dass ihr eigenes Schicksal mit dem von Evelyn Hugo in ungeahnter und unumkehrbarer Weise verwoben ist…

ERZÄHLSTIL UND BEHANDELTE THEMEN DES BUCHES

Besonders spannend fand ich in diesem Roman die unterschiedlichen Erzählperspektiven. So gibt es in den Kapiteln, in denen beschrieben wird, was Monique erlebt und fühlt, einen allwissenden, also einen auktorialen Erzähler. Die große Mehrzahl der Kapitel ist allerdings aus der Ich-Perspektive geschrieben. Dies ist immer dann der Fall, wenn Evelyn Hugo aus ihrem Leben erzählt. In diesem Fall sind die Leser gewissermaßen wie Monique, die den Worten Evelyns aus erster Hand lauschen dürfen.

Und dann tauchen auch immer wieder zwischendurch fiktive Zeitungsartikel der Regenbogenpresse auf, die das eben von Evelyn Erzählte in ihren Klatschspalten kommentieren. Hier wird deutlich, wie die Medien bestimmte Dinge in Evelyns Leben immer wieder uminterpretiert haben und Druck ausgeübt haben. Eine unglaublich spannende zusätzliche Perspektive, die viel Abwechslung und zusätzliche Tiefe verliehen hat!

Und auch, wenn man auf den ersten Blick denken mag, dass „The seven husbands of Evelyn Hugo“ ein leichtes, sommerliches Feelgood-Buch für zwischendurch ist, wird man doch eines Besseren belehrt. So sind die im Buch angesprochenen Themen durchaus anspruchsvoll und gesellschaftlich absolut relevant. In diesem Roman werden dabei unter anderem folgende Themen angesprochen:

  • Körperliche und sexuelle Gewalt gegen Frauen (Triggerwarnung)
  • Homophobie (Triggerwarnung)
  • Die Filmindustrie in Hollywood von den 50er Jahren bis heute
  • Selbstbestimmung (in allen denkbaren Daseinsformen)

Insbesondere der letztgenannte Aspekt der Selbstbestimmung ist wahrscheinlich der wichtigste für die Figur der Evelyn Hugo. Wir lernen Evelyn hier als eine Protagonistin mit vielen Schwächen und Unzulänglichkeiten kennen – aber genau im selben Maße ist sie eine kraftvolle, feministische Heldin, die für sich und ihre Selbstbestimmung in jeder nur denkbaren Form einsteht. In diesem Zusammenhang hat mich vor allem das Ende komplett aus den Socken gehauen (an dieser Stelle verrate ich aber keines Falls mehr, um euch nicht zu spoilern).

Ein weiterer Pluspunkt dieses Romans: Die enthaltene Liebesgeschichte (wir erinnern uns: Eine Liebe, von der niemand etwas erfahren darf…) war zum Glück überhaupt nicht kitschig. Zu meiner eigenen Überraschung und Freude habe sie gerne gelesen, da sie sehr reflektiert und glaubwürdig bei mir ankam (und das kommt echt nicht oft vor bei mir, wenn ich Liebesgeschichten lese). Daher: Hut ab, Taylor Jenkins Reid! 🙂

Insgesamt würde ich sagen: „The seven husbands of Evelyn Hugo“ ist definitv ein Buch, das viel mehr Anspruch hat, als man von außen denken würde und das zeitgleich extrem gut unterhält. Es verbindet den glamourösen Hollywood-Flair der 50er Jahre mit sehr ernsten gesellschaftlichen Themen und diese Mischung finde ich echt einzigartig und gelungen. Meiner Meinung nach hat dieses Buch den Hype absolut verdient.

„Rachegeist“ von Cai Jun

Auf den folgenden Thriller bin ich auf Instagram gestoßen. Dort hatte der PIPER-Verlag einen Beitrag zu diesem Buch gepostet. Und da ich zum einen noch nichts von einem chinesischen Autor gelesen hatte und zum anderen das Cover ein absoluter Hingucker war (ja, ich weiß, don’t judge a book by its cover – aber das passiert den Besten, oder? ;-P), habe ich es mir in der lokalen Buchhandlung meines Vertrauens gekauft.

INHALT

In diesem Thriller befinden wir uns im Jahr 1995 in China. Der junge, aufstrebende Lehrer Shen Ming wird auf einem Fabrikgelände ermordet. Sein plötzlicher gewaltsamer Tod schlägt ein wie eine Bombe, denn erst einige Tage zuvor hatte man ihm vorgeworfen, eine Affäre mit einer seiner Schülerinnen gehabt zu haben und diese auf dem Dach des Gymnasiums umgebracht haben.

Die Mörder von Sheng Ming werden nie zur Rechenschaft gezogen – bis 10 Jahre nach Sheng Mings Tod dieser doch noch Vergeltung erfährt. Denn: Shen Mings Mörder schlittern zunächst allesamt langsam ins Unglück und schließlich muss doch noch einer nach dem anderen mit seinem Leben für den begangenen Mord an Shen Ming bezahlen.

Und schnell stellt sich die Frage, wem Shen Ming diese späte Rache an seinen Mördern zu verdanken hat. Ist seine Seele zu einem Rachegeist geworden, der keine Ruhe findet? Und was ist damals wirklich mit der Schülerin passiert, mit der Shen Ming eine Affäre gehabt haben soll? Wer war Shen Ming wirklich? Und was hat ein kleiner, außergewöhnlich kluger Junge mit all dem zu tun, der plötzlich mit der ganzen Geschichte verwoben zu sein scheint?

MEINE EINDRÜCKE BEIM LESEN

Besonders interessant an diesem Thriller fand ich, dass er vor der Kulisse des modernen Chinas spielt. Hier hatte ich gehofft, mehr darüber zu erfahren, wie die Gesellschaft dort funktioniert und wie sich ein Thriller anfühlt, der dort spielt. Dies kam in dem Buch auch sehr stimmungsvoll zur Geltung (nebst -zugegeben vorsichtig geäußerter- Kritik am politischen System, das fand ich besonders faszinierend). Das Setting im modernen China fand ich extrem cool und in meiner Leseerfahrung bisher auch absolut einzigartig. Besonders spannend waurde das ganze auch dadurch, dass der Thriller mit übernatürlichen Elementen spielt, die aber perfekt in dieses China zwischen Tradition und Moderne passen. Diese Mischung wird v.a. gegen Ende dann so richtig düster und mysteriös.

Das Mysterium, das Cai Jun in dieser Geschichte aufspannt, ist dabei komplex, verworren, böse, düster und mit einer traditionellen Übernatürlichkeit, die wiegesagt in den Alltag des modernen Chinas eingebettet ist. Die Geschichte ist dabei sehr klug aufgebaut, sodass man als Leser aus mehr oder weniger unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Charaktere dann Stück für Stück die Geschichte aufdeckt und so immer mehr Facetten entdeckt.

Besonders toll und stimmungsvoll: Cai Jun streut immer wieder chinesische Gedichte in die Geschichte, sodass man beim Lesen auch noch etwas chinesische Poesie dazubekommt, die auch die Atmosphäre und das dramaturgische Moment super unterstützen. So hat auch ein Gedicht am Ende für mich das Ende nochmals viel emotionaler gemacht. Das hat mir sehr gut gefallen!

WAS ICH SCHWIERIG FAND

Die Namen der Charaktere klangen für meine „ignoranten“ europäischen Ohren leider alle recht ähnlich, sodass ich mich schwer damit getan habe (zumindest anfangs) die Figuren auseinanderzuhalten. Zum Glück hat der Piper-Verlag in weiser Voraussicht ein Personenverzeichnis mitgeliefert, sodass man hier immer wieder nachschauen kann, sobald man unsicher ist.

Zudem war das Buch stellenweise etwas langatmig (da hätte ich mir wesentlich mehr Tempo gewünscht) und sprachlich fand ich das Buch zumindest teilweise manchmal etwas schmucklos und etwas einfallslos, weil der Autor gerne bestimmte Wendungen immer wieder verwendet (Mein Lieblingsbeispiel: Seine / Ihre Hand war so kalt wie die eines/r Toten). Solche Wendungen mag Cai Jun scheinbar sehr gerne und wiederholt sie während des Buches genauso immer wieder (ohne, dass hier eine Absicht dahinter zu erkennen wäre, im Sinne eines sich durchziehenden Motivs oder dergleichen).

Und gegen Ende gab es dann auch noch einen (zusätzlichen) Handlungsstrang, den ich irgendwie sehr plötzlich noch in die Geshcichte gestreut fand und der mich irgendwie zusätzlich mehr verwirrt hat, als dass er für mich zur Spannung beigetragen hat

MEINE MEINUNG INSGESAMT

Alles in allem: „Rachegeist“ ist ein Thriller, der vor allem durch sein Setting in China und die interessante Mischung aus fernöstlicher, traditioneller Mystik und Moderne in China besticht und diese Atmosphäre super transportiert. Im Großen und Ganzen eine echt spannende, geheimnisvolle und verworrene Geschichte, die allerdings mit einigen Längen daherkommt.

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„Niemalswelt“ von Marisha Pessl

Hallo ihr Lieben!

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber bei mir gibt es einige Prämissen in Büchern, die ich ganz besonders liebe. Meine absolute Lieblingsprämisse bei Büchern ist wahrscheinlich der sich immer wieder wiederholende Tag à la „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Daher war es irgendwie klar, dass ich unbedingt auch „Niemalswelt“ von Marisha Pessl lesen musste.

INHALT

In diesem Buch lernen wir Bee kennen. Sie hat seit 5 Jahren, nach ihrem Abschluss an der Highschool und nach dem mysteriösen, ungeklärten Tod ihres Freundes Jim nicht mehr mit ihrer ehemaligen Clique gesprochen, mit der sie früher unzertrennlich war.

Doch zu Beginn des Buches kommt die Gruppe wieder zusammen und so trifft sich Bee mit ihren vier Freunden Martha, Whitley, Kip und Cannon in einem luxuriösen Wochenendhaus an der Küste, um gemeinsam ein Konzert zu besuchen und danach zusammen abzuhängen.

Als sie nachts wieder zum Haus an der Küste zurückfahren, haben die fünf fast einen schweren Autounfall. Sie sind sehr erschrocken und gelangen schließlich durch die regnerische Nacht hindurch wieder nach Hause.

Doch dann klopft plötzlich ein mysteriöser, alter Mann an die Tür und erklärt den Fünfen, dass der Unfall DOCH passiert ist. Und es wird dabei sogar noch unglaublicher: Der alte Mann eröffnet unseren Protagonisten, dass in diesem Autounfall 4 von ihnen ums Leben gekommen seien und dass nur einer von ihnen diesen Unfall überlebt hat. Nun sind die 5 in der Niemalswelt gefangen, einer Zeitschleife zwischen Leben und Tod, in der sie gezwungen sind, dieselben 11 Stunden immer und immer wieder zu durchleben – solange, bis sie sich einstimmig geeinigt haben, wer von ihnen überlebt und wer stirbt.

Dabei erkennen Bee, Martha, Whitley, Kip und Cannon mit der Zeit, dass sie nur dann eine Entscheidung treffen können, wenn sie herausfinden können, was vor 5 Jahren wirklich mit ihrem mysteriös verstorbenen Freund Jim passiert ist, der damals in einen Steinbruch stürzte. Und langsam kommt heraus, dass alle fünf ihre Geheimnisse haben.

AUSGESTALTUNG UND SCHREIBSTIL

Wie bereits erwähnt, war ich megagespannt auf dieses Buch und hatte auch dementsprechend große Erwartungen. Und ich muss sagen: Am Ende war es schon gut – aber es hat mich leider doch nicht so umgehauen, wie ich erhofft hatte.

Grundsätzlich finde ich, dass Marisha Pessl das Grundthema des sich immer wieder wiederholenden Tages konsequent zuende gedacht hat. Damit meine ich, was die fünf Protagonisten alles tun, als sie bemerken, dass sie den gleichen Tag immer wieder erleben. Dabei reagieren sie in psychologisch interessanter Weise, wie ich fand (je nach Charakter gehen die fünf Protagonisten nämlich ganz unterschiedlich mit der Situation um). Da gibt es Verzweiflung, Verleugnung, Resignation, Verdrängung, Wut, aber auch den puren Spaß, sofern man diesen einer solchen Situation abgewinnen kann. Nichtsdestotrotz bleibt es aber ein düsteres Buch, mit einer beklemmenden, surrealen und teilweise auch deprimierenden Atmosphäre, was sehr gut zu dem Buch gepasst hat.

Die fünf Hauptcharaktere kamen mir zumindest teilweise ziemlich stereotyp vor, was aber bei der Unterscheidung der Charaktere sehr hilfreich war (schließlich hat sich Marisha Pessl mit Namen wie Bee, Martha, Whitley, Kip und Cannon recht  außergewöhnliche Namen ausgedacht, die ich mir bis zum Schluss nicht richtig merken konnte).

Den Schreibstil von Marisha Pessl würde ich als irgendwie ungewöhnlich bezeichnen. Manchmal wirkte er etwas abgehackt auf mich, allerdings fand ich sehr interessant, wie oft die Autorin Bezüge zur Popkultur hergestellt und dies in die Geschichte hat einfließen lassen. Ich würde allerdings empfehlen, erstmal einen Blick auf eine Leseprobe zu werfen, um zu sehen, ob euch der Schreibstil zusagt.

Warum ich am Ende nicht so euphorisch wegen des Buches war, wie ich zunächst gehofft hatte

Ich war ja unfassbar gespannt, wie Marisha Pessl diese sich immer wiederholende Geschichte entwickeln wird und was es mit dem mysteriösen Tod von Bees Freund Jim in dem Steinbruch auf sich hat. Hier hatte ich auf ein düsteres und großes, verworrenes Geheimnis gehofft. Und ja, verworren war es ganz bestimmt. Allerdings hätte ich mir am Ende einfach noch viel mehr Spannung gewünscht. Irgendwie ist für mich das Potenzial, das diese Geschichte gehabt hätte, in einer etwas unspektakulären Auflösung verpufft. Und auch das Ende der Geschichte war irgendwie eher vorhersehbar, wie ich persönlich fand. Zudem merke ich jetzt schon, dass dieses Buch mir jetzt nicht nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Ich denke, dass ich in wenigen Monaten vermutlich schon vergessen haben dürfte, um was es in diesem Buch noch genau ging. Das ist echt schade.

Insgesamt hat mir das Buch recht gut gefallen, allerdings kommt es bei mir über eine Bewertung von 3,5 Sternen nicht hinaus, was ich ein bisschen schade finde. Wenn ihr aber grundsätzlich Fans von der „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Prämisse in Büchern seid, dann kann es auf jeden Fall nicht schaden, sich „Niemalswelt“ von Marisha Pessl einmal anzuschauen.