„The seven husbands of Evelyn Hugo“ von Taylor Jenkins Reid

Ja, ich weiß, ich bin mal wieder ein bisschen „late to the party“ wenn es um extrem gehypte Bücher geht. Allerdings hat es mich doch dann gereizt herauszufinden, was es mit dieser riesigen Begeisterung für diesen Roman von Taylor Jenkins Reid so auf sich hat. Da es dieses Buch bisher leider (noch?) nicht auf deutsch gibt, habe ich es mir in englischer Sprache zugelegt und ich kann schonmal gleich zu Beginn so viel sagen: Das Englisch fand ich echt angenehm, sodass sich die Geschichte nahezu genauso easy und flüssig lesen ließ wie ein Roman in deutscher Sprache. Daher kann ich alldenjenigen, die wegen der Sprache noch zögern, absolut Mut machen. 🙂 Aber jetzt doch erstmal zum Inhalt des Buches:

INHALT

Die noch eher unbekannte, aber aufstrebende Journalistin Monique Grant erhält völlig unerwartet ein scheinbar unfassbares Angebot: Sie soll die Lebensgeschichte der zurückgezogen lebenden, legendären Hollywood-Schauspielerin Evelyn Hugo schreiben. Dabei möchte Evelyn zum ersten und einzigen Mal in ihrem langen und glamourösen Leben absolut alles erzählen – ihre Erlebnisse hinter den Kulissen Hollywoods und im Haifischbecken der Tabloid-Presse, ihre Geheimnisse, ihre Skandale, alles. Monique ist absolut erstaunt, als Evelyn ihr eröffnet, dass sie einzig und allein Monique ihre Lebensgeschichte erzählen will – doch Monique nimmt das Angebot an. Ab sofort treffen sich beide Frauen regelmäßig in Evelyns Anwesen und die Hollywood-Diva berichtet Monique über ihr Leben und ihre Ehen mit ihren sage und schreibe sieben Ehemännern.

Dabei berichtet Evelyn, wie sie aus dem Elendsviertel Hell’s Kitchen in New York heraus zum gefeierten Hollywoodstar der 50er, 60er, 70er und 80er Jahre wurde – und erzählt eine Geschichte, die zwar wirken mag wie ein Märchen, jedoch ist es auch eine Lebensbeichte voller rücksichtlosem Ehrgeiz, Gewalt, unerwarteter Freundschaft und die Geschichte einer Liebe, von der niemand erfahren darf.

Und dann findet Monique plötzlich heraus, dass ihr eigenes Schicksal mit dem von Evelyn Hugo in ungeahnter und unumkehrbarer Weise verwoben ist…

ERZÄHLSTIL UND BEHANDELTE THEMEN DES BUCHES

Besonders spannend fand ich in diesem Roman die unterschiedlichen Erzählperspektiven. So gibt es in den Kapiteln, in denen beschrieben wird, was Monique erlebt und fühlt, einen allwissenden, also einen auktorialen Erzähler. Die große Mehrzahl der Kapitel ist allerdings aus der Ich-Perspektive geschrieben. Dies ist immer dann der Fall, wenn Evelyn Hugo aus ihrem Leben erzählt. In diesem Fall sind die Leser gewissermaßen wie Monique, die den Worten Evelyns aus erster Hand lauschen dürfen.

Und dann tauchen auch immer wieder zwischendurch fiktive Zeitungsartikel der Regenbogenpresse auf, die das eben von Evelyn Erzählte in ihren Klatschspalten kommentieren. Hier wird deutlich, wie die Medien bestimmte Dinge in Evelyns Leben immer wieder uminterpretiert haben und Druck ausgeübt haben. Eine unglaublich spannende zusätzliche Perspektive, die viel Abwechslung und zusätzliche Tiefe verliehen hat!

Und auch, wenn man auf den ersten Blick denken mag, dass „The seven husbands of Evelyn Hugo“ ein leichtes, sommerliches Feelgood-Buch für zwischendurch ist, wird man doch eines Besseren belehrt. So sind die im Buch angesprochenen Themen durchaus anspruchsvoll und gesellschaftlich absolut relevant. In diesem Roman werden dabei unter anderem folgende Themen angesprochen:

  • Körperliche und sexuelle Gewalt gegen Frauen (Triggerwarnung)
  • Homophobie (Triggerwarnung)
  • Die Filmindustrie in Hollywood von den 50er Jahren bis heute
  • Selbstbestimmung (in allen denkbaren Daseinsformen)

Insbesondere der letztgenannte Aspekt der Selbstbestimmung ist wahrscheinlich der wichtigste für die Figur der Evelyn Hugo. Wir lernen Evelyn hier als eine Protagonistin mit vielen Schwächen und Unzulänglichkeiten kennen – aber genau im selben Maße ist sie eine kraftvolle, feministische Heldin, die für sich und ihre Selbstbestimmung in jeder nur denkbaren Form einsteht. In diesem Zusammenhang hat mich vor allem das Ende komplett aus den Socken gehauen (an dieser Stelle verrate ich aber keines Falls mehr, um euch nicht zu spoilern).

Ein weiterer Pluspunkt dieses Romans: Die enthaltene Liebesgeschichte (wir erinnern uns: Eine Liebe, von der niemand etwas erfahren darf…) war zum Glück überhaupt nicht kitschig. Zu meiner eigenen Überraschung und Freude habe sie gerne gelesen, da sie sehr reflektiert und glaubwürdig bei mir ankam (und das kommt echt nicht oft vor bei mir, wenn ich Liebesgeschichten lese). Daher: Hut ab, Taylor Jenkins Reid! 🙂

Insgesamt würde ich sagen: „The seven husbands of Evelyn Hugo“ ist definitv ein Buch, das viel mehr Anspruch hat, als man von außen denken würde und das zeitgleich extrem gut unterhält. Es verbindet den glamourösen Hollywood-Flair der 50er Jahre mit sehr ernsten gesellschaftlichen Themen und diese Mischung finde ich echt einzigartig und gelungen. Meiner Meinung nach hat dieses Buch den Hype absolut verdient.

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