„Die Wahrheit im Fall Harry Quebert“ von Joël Dicker

Im Folgenden möchte ich euch einen Roman vorstellen, der zu einem absoluten Lieblingsbuch und Lebenslesehighlight für mich geworden ist. Eine kleine Vorwarnung: Ich habe so dermaßen viel zu diesem Buch zu sagen, dass es den Rahmen eines Blogbeitrags bei Weitem sprengen würde. Daher habe ich zusätzlich noch eine ausführliche Folge auf meinem Podcast „Seitengeraschel“ zum Thema aufgenommen, in der ich ganz ausführlich auf alles eingehe. Den Link zur Folge findet ihr am Ende des Blogbeitrags. 🙂

INHALT

Das kleine, beschauliche Ostküstenstädtchen Aurora in New Hampshire wird durch einen Skandal erschüttert: Direkt neben dem Haus des gefeierten und berühmten Schriftstellers Harry Quebert werden die sterblichen Überreste eines Mädchens gefunden. Dieses Mädchen, das Nola hieß, verschwand 33 Jahre zuvor im Jahr 1975. Da direkt bei Nolas Leiche das Manuskript des bekanntesten Romans von Harry Quebert gefunden wird, steht dieser sofort unter dringendem Mordverdacht. Als Marcus Goldman, ein ehemaliger Schüler Queberts und mittlerweile selbst erfolgreicher Schriftsteller von der Sache erfährt, macht er sich sofort auf den Weg nach Aurora. Denn: Marcus ist fest von der Unschuld seines Mentors Harry Quebert überzeugt. Er beginnt sogleich, in der Sache nachzuforschen und zu beweisen, dass sein Freund kein Mörder ist. Mit der Zeit stößt Marcus auf immer mehr Hinweise und Spuren und fördert dabei Unfassbares zutage…

ATMOSPHÄRE UND AUFBAU DES BUCHES

Was mich an diesem Buch wirklich aus den Socken gehauen hat, war die unglaublich tolle Atmosphäre, die Joël Dicker in diesem Roman erschafft. Obwohl in Aurora ja ein Mädchen verschwunden und ermordet wurde, vermittelt der Roman eine unfassbar inspirierende und sonnige Wohlfühlatmosphäre der Geborgenheit, die die Natur von New Hampshire hier bietet: Wald und Strände, Sonnenaufgänge, Möwen und beschauliche kleine Restaurants in einem Ort, in dem jeder jeden kennt und man sich irgendwie spontan wohl und zuhause fühlt. Jedoch ist dieses Gefühl natürlich trügerisch: Denn niemand in Aurora ist wirklich das, was er/ sie zu sein scheint.

Wie auch schon in seinem Buch „Die Geschichte der Baltimores“ erzählt Joël Dicker auch „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ auf mehreren Zeitebenen (v.a. im Jahr 1975 als Nola verschwindet und im Jahr 2008, als ihre Leiche gefunden wird und Marcus Goldman die Ermittlungen aufnimmt). Zwischen diesen springt er hin und her und spinnt so ein unfassbar komplexes Geflecht aus Geschichten und Informationen, in dem er ein Gesellschaftsporträt lebendig werden lässt und durch welches langsam der Mord an Nola Kellergan rekonstruiert wird. Durch unfassbar gekonnte Sprünge zwischen unterschiedlichen Momenten der Vergangenheit und der erzählten Gegenwart wird das entstehende Bild von dem, was Nola zugestoßen ist, ganz langsam deutlicher und sichtbar. Aber das alles geschieht vor einem unglaublich spannenden und komplexen Hintergrund des Örtchens Aurora, wo jeder Einwohner ein Geheimnis zu haben scheint. Dabei geht Joël Dicker beim Erzählen so unfassbar geschickt und grandios vor, dass er es wirklich schafft, die Spannung bis zur letzten Seite aufrechtzuerhalten und dabei immer wieder mit unvorhergesehenen Wendungen aufzuwarten.

CHARAKTERE

Wie auch schon in seinem Buch „Die Geschichte der Baltimores“ schafft es Joël Dicker auf unvergleichliche Weise, dass man als Leser eine sehr emotionale Bindung zu den Protagonisten aufbaut. Dabei zeigt jeder einzelne Charakter eine besondere, berührende Tiefe, sodass ich binnen kürzester Zeit mit meinem ganzen Herzen an den Protagonisten zu hängen anfing. Man kann gar nicht anders, als mitzufiebern, sich mitzufreuen und mit den Figuren zu trauern.

WARUM ES MIR GEFALLEN HAT

Dieser Roman ist so unglaublich komplex und zugleich so hochspannend aufgebaut, dass ich mich auf 720 Seiten keinen Moment gelangweilt habe (und wann kommt sowas schonmal vor?). Ich habe bisher nur wenige Bücher erlebt, die keine Längen hatten und durchgängig einfach nur faszinierend und spannend waren. Zudem hat der Autor hier Charaktere erschaffen, die für immer einen Platz in meinem Herz haben werden. Wie bereits erwähnt feiere ich auch die magische Atmosphäre dieses Buches: Auf der einen Seite die sonnige Geborgenheit Auroras, auf der anderen Seite eine abgründige, düstere Geschichte, die den Leser packt und nicht mehr loslässt.

Insagesamt kann man sagen: Es geht um VIEL MEHR als ein verschwundenes Mädchen und einen Mord. Vielmehr ist es die Geschichte einer ganzen Kleinstadt mit all ihren Einzelschicksalen, es ist die emotionale Geschichte zweier Schriftsteller und auch eine Hommage an die Liebe und ans Schreiben.

Joel Dicker ist so ein unfassbares Schriftstellertalent, dass mir teilweise einfach nur der Mund offen stehen geblieben ist und ich zwischen krasser Spannung, Faszination und emotionalem Berührtsein nur so von Seite zu Seite geflogen bin und wirklich das Gefühl hatte, in Aurora bei den Protagonisten zu sein und die Seeluft am dortigen Grand Beach zu schnuppern und die Möwen schreien zu hören. Dieses Buch hat für immer einen Platz in meinem Bücherregal und auch in meinem Herzen 😊

WEITER IM PODCAST

Wie bereits erwähnt, erzähle ich in meinem Podcast noch viel ausführlicher von diesem tollen Buch. Unter anderem spreche ich über mögliche Parallelen zu Nabokovs „Lolita“ und zu der Frage, ob die zwischen Harry Quebert und Nola eine ähnliche „Beziehung“ zu beobachten ist wie zwischen Humbert Humbert und Dolores Haze. Hier kommt ihr zur Podcast-Episode: https://www.podcast.de/episode/507379630/die-wahrheit-ueber-den-fall-harry-quebert-von-joel-dicker

Viel Spaß beim Hören, bis bald und alles Liebe,

Christina

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